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Der kleine Zauberer Teil 7

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Teil 7

„Möchtest du nicht aus dem Gebüsch rauskommen?“, erkundigte sich Daniel freundlich. „Ist das auch unhöflich?“, fragte Alex schüchtern. „Ich würde lieber im Gebüsch bleiben!“

Daniel ließ sich auf dem Boden vor dem Gebüsch nieder. „Wenn du lieber im Gebüsch bleiben möchtest, ist das ok, glaube ich.“, erklärte er Alex. Beide Jungen schwiegen. „Wer ist dein Meister?“, wollte Alex dann wissen.

Die Augen des anderen Jungen begannen zu strahlen. „Er hat mir alles beigebracht was ich weiß!“, erklärte Daniel stolz. „Wie ist dein Meister so?“, wollte Daniel wissen. Alex zuckte mit den Schultern. „Ich habe keinen Meister! Nur einen Vater und der bringt mir nichts bei.“, erklärte Alex traurig.

 

„Du bist wohl nicht von hier?“, wollte er dann noch wissen. Daniel nickte. „Von woher kommst du?“, fragte Alex dann. „Aus einer anderen Welt, ich suche meinen König.“

„Das hört sich gefährlich an!“, meinte Alex erschrocken. „Ach ich glaube nicht, es werden ja nicht alle Leute so dumm wie dieser Peter sein.“, erklärte Daniel und machte eine wegwerfende Handbewegung.

Alex schwieg. Er bezweifelte das, sprach es aber nicht lauf aus, weil er Daniel nicht entmutigen wollte. „Weißt du schon wo du hin musst?“, fragte er dann. Daniel schüttelte den Kopf. „Vielleicht magst du mit zu mir kommen … mein Vater kommt immer erst abends heim… der kriegt das gar nicht mit.“, erklärte Alex, der das schütteln des Kopfes anscheinend gespürt hatte. „Das wäre toll, vielen Dank! Aber dazu müsstest du aus dem Gebüsch herauskommen.“, stellte Daniel fest.

 

Gemeinsam machten sich die beiden Jungen auf den Weg zur Wohnung von Alex und seinem Vater.

 

Neugierig sah Daniel sich um. So etwas hatte er noch nie gesehen. „Es ist viel sauberer als bei uns!“, erklärte Daniel anerkennend. Er wusste selber, wie schwer es war, Ordnung zu halten. „Das ist Maria, die kommt einmal in der Woche zu uns und macht sauber.“, erklärte Alex und reichte Daniel ein Glas mit weißer Flüssigkeit. „Was ist das?“, erkundigte sich Daniel erstaunt. „Das ist Milch, die ist gut für die Knochen. Sagt mein Vater zumindest.“, Alex zuckte mit den Schultern. „He, dann bringt er dir ja doch was bei.“, rief Daniel erfreut aus und nahm wieder einen Schluck. So was müssten sie auch haben. Nachdenklich sah Alex auf den Inhalt seines Glases. „Stimmt!“, stellte er fest und grinste. „Komm, lass uns in mein Zimmer gehen.“, schlug Alex vor.

 

Jetzt war Daniel wirklich sprachlos. Alex‘ Zimmer war ein heller großer Raum und ziemlich vielen Holzkästen, die in die Wand eingebaut waren. Auf der anderen Seite stand ein großes Bett mit Fußballbettwäsche bezogen. An der Wand rechts vom Bett, neben dem Fenster war ein großes Regal, voll mit Büchern vollgestellt. Aufgeregt trat Daniel näher. „Hast du die alle gelesen?“, fragte er dann. Alex verzog das Gesicht. „Lesen ist langweilig und blöd. Und außerdem kann ich mich nicht so lange konzentrieren.“ – „Dann liest du halt nur solange wie du dich konzentrieren kannst.“, Daniel zuckte mit den Achseln. „Mein Meister hat immer gesagt: für jedes gibt es seine Zeit und wenn ich nach fünf Minuten mich nicht mehr konzentrieren kann, dann ist die Zeit eben um und ich lese später weiter.“

 

„Deinen Meister würde ich gerne kennenlernen!“, seufzte Alex.

 

„Vielleicht lässt sich da was machen!“, erklärte Daniel nachdenklich.

Teil 8

Der kleine Zauberer Teil 6

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Teil 6

Die Reise durch das Portal war lustig. Daniel schwebte durch einen langen Schacht. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Rechts und links waren immer wieder Abzweigungen in andere Schächte zu sehen. Daniel vermutete, dass diese wiederum in andere Welten führten. Auch wenn kein Fenster in diesem Schacht war, war der Schacht taghell und freundlich.

Daniel legte sich auf den Rücken, verschränkte die Arme am Hinterkopf und ließ sich treiben. Er schloss genießerisch die Augen. Bis er dann plötzlich mitten auf einem großen Platz stand.

 

Nicht weit von Daniel entfernt saß ein kleiner Junge im Gebüsch vom Spielplatz und stocherte traurig mit einem Stecken im Boden herum. Im Garten spielten andere Kinder fröhlich miteinander. Alex, so hieß der Junge, sah ihnen zu. Er würde gerne mitspielen, doch er wusste genau, dass das nicht gut gehen würde. Seine verrückten Ideen würden die anderen nur stören.

Dann sah er erstaunt auf. Ein anderer Junge war aufgetaucht. Irgendwie sah er anders aus, so als würde auch er nicht dazu gehören. Seine Kleidung wirkte sehr altertümlich, wie aus einer anderen Welt und er hatte einen Rucksack dabei. Neugierig sah der Junge sich um. Auch die anderen Kinder hatten den Neuankömmling entdeckt. Dann blieb der Blick des Jungen in einem der Bäume hängen. Und gerade in dem Moment, indem die anderen Kinder den Jungen erreicht hatten, drehte dieser sich um und rannte auf dem Baum zu und kletterte ohne Mühe hinauf.

Verdattert blieben die anderen Kinder stehen. Sie waren es nicht gewohnt ignoriert zu werden. „He! Du – was soll das?“, rief Peter, ein großer kräftiger Junge und offensichtlich der Anführer, oder der Wortführer.

 

Der Junge kletterte einfach weiter hinauf. Neugierig sahen die anderen Kinder dem fremden Jungen zu. Dann nach einer Weile kletterte der Junge wieder herunter, bemerkte die anderen Kinder und lächelte sie freundlich und offen an. „Hallo! Ich bin Daniel!“, erklärte er einfach. „Wieso hast du uns nicht geantwortet?“, beschwerte sich Peter und baute sich drohend vor Daniel auf. „Hattet ihr was gesagt?“, erkundigte sich Daniel verwirrt. „Oh, dann war ich abgelenkt, aber eine Schwalbe war im Baum und ich wollte ihr >Hallo< sagen.“, erklärte er dann einfach.

 

„Eine Schwalbe!“, Peter wandte sich an die anderen Kinder und alle lachten. „ER wollte einer Schwalbe >hallo< sagen.“

 

„Du bist unhöflich!“, erklärte Daniel einfach, aber doch leicht verletzt. „Hä?“, Peter sah den fremden Jungen verdattert an und auch die andern Kinder schwiegen verwirrt. „Ja, erst werden die älteren Leute begrüßt, und dann die jungen Leute. Eine Schwalbe ist immer älter als jedes Kind. Hat dir dein Meister das nicht beigebracht?“, kam es von Daniel. „Und außerdem habe ich dich auch begrüßt und mich vorgestellt und du grüßt nicht zurück und stellst dich nicht vor. – Das ist unhöflich!“ Daniel schulterte seinen Rucksack und ging einfach davon.

„Ach ja?“, rief Peter ihm nach. „Dein >Meister< ist wahrscheinlich genauso durchgeknallt wie du!“

 

Daniel schwieg irritiert. Waren er und sein Meister wirklich >durchgeknallt<, wie der Junge behauptete? Nun, dass konnte schon sein. Aber es klang nicht sehr nett. Und dass sein Meister etwas war, was nicht nett war, dass wusste Daniel, dass konnte auf gar keinen Fall sein. Vor allem kannte der andere Junge seinen Meister gar nicht. Wie konnte er dann so etwas behaupten? Daniel schniefte. Der Junge war nicht nur unhöflich sondern auch dumm. Der Meister des anderen Jungens konnte kein guter Lehrer sein.

 

„Denk dir nichts! Peter ist immer so.“, kam eine ruhige Stimme aus dem Gebüsch. Neugierig trat Daniel näher. „Hallo ich bin Daniel.“ – „Hallo – ich bin Alex!“, kam die Stimme aus dem Gebüsch.

Teil 7

Der kleine Zauberer Teil 5

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Teil 5

Mergaan saß in einem großen roten Sessel neben den Spalt und hatte ein großes grünes Buch auf dem Schoß. Mergaan war im Gegensatz zu den meisten anderen Zauberern ziemlich klein. Sie konnte es nicht glauben, dass sie sich freiwillig für die Wacht am Spalt gemeldet hatte. Auch fand sie es völlig überflüssig diesen zu überwachen, da eh niemand außer dem EINEN von ihrer in die andere Welt gelangen konnte und mit dem König wieder zurück.

 

Mergaan seufzte und gähnte.

 

„Soll ich dir was sagen? -Dein Hals sieht alt aus. Sei aber nicht böse.“, erklang eine junge Stimme. Mergaan riss ihr eines grünes und das blaues Auge weit auf und sah den Eindringling an. Ein kleiner Junge und ein großer hässlicher Kobold standen in dem Raum.

 

„Ich bin ja auch alt. Aber was wollt ihr denn hier?“, wollte sie wissen. „Wir sollen durch den Spalt den König holen.“, erklärte der Junge.  „Hm-m!“ Mergaan nickte. „Das wurde aber auch Zeit. Hatte dich Felix wohl nicht früher weggelassen.“, stellte die Zauberin dann fest. „Felix?“, der Junge sah sie neugierig an. „Dein Meister!“

 

Sein Meister hieß >Felix<? Daniel war verblüfft. Daniel fand >Felix< einen lustigen Namen. Schade dass er es nicht vorher gewusst hatte. Er hätte seinen Meister gerne >Felix< genannt.

 

„Und? – Hat er?“ – „Hat er was?“, fragte der Kobold. „Na wollte ihn Felix nichts weglassen.“, sie zwinkerte dem Jungen zu und wandte ihren irritierenden Blick aus einem blauen und einem grünen Auge wieder dem Kobold zu. „Nein – aber heute hat er mal eine Ausnahme gemacht.“

Mergaan nickte.

 

„Und weißt du was dich erwartet?“ Mergaan ging auf Daniel zu und führte den Jungen zu dem großen Sessel. Er setzte sich und seine Füße baumelten in der Luft. Der Junge schüttelte den Kopf.

 

„Gut!“, sie nickte. Legte das Buch beiseite und ging auf den Jungen zu.

Kniff ihr grünes Auge zu und blickte ihn mit dem blauen Auge an. Dann kniff sie ihr blaues Auge zu und blickte Daniel mit dem grünen Augen an. „Nun weißt du wie du den König erkennst.“, sagte sie einfach.

Der Junge nickte. „Halte die Augen und Ohren auf Junge Daniel! Niemand weiß genau, was dich in der anderen Welt erwarten wird. Die Prophezeiung sagt, dass du den König finden wirst. Bringe ihn heil zurück und komme selber auch gesund zu uns zurück.“ Mergaan beugte sich hinab und drückte dem Jungen einen Kuss auf die Stirn. Daniel wollte sich schon angewidert zurück ziehen, mit zehn Jahren brauchte er keine Küsse mehr! Doch dann löste sich etwas von seiner Stirn und ein kleiner runder Stein, der grün und blau leuchtete viel in seine Hand. „Dies ist ein Rätselstein. Ein Stein, der dir alle Rätsel der anderen Welt erklären kann. Setze ihn jedoch mit Bedacht ein. Zu viele Lösungen machen zu viele Probleme.“, mit diesen Worten wandte sie sich an den Kobold. „Nun Wurzel – erfülle deine Pflicht, stoße den Auserwählten durch das Portal.“

„Dann mal los!“, rief Wurzel und rieb sich die Hände. Daniel stellte sich vor das Portal und sah noch einmal zurück. „Viel Glück!“, Mergaan zwinkert ihm erst mit dem grünen und dann mit dem blauen Auge zu. Bevor Daniel noch etwas sagen konnte, spürte er schon einen heftigen Stoß und viel durch das Portal.

Teil 6

Der kleine Zauberer Teil 4

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Teil 4

„Ich komme aus einer anderen Welt?“, Daniel war perplex. Der Zauberer nickte. „Cool!“

Schweigend sah der Zauberer seinen Lehrling an.

 

Dem Kobold wurde es bald zu dumm. „So –können wir jetzt los?“, fragte der Kobold ungeduldig. „Wurzel!“, kam es warnend vom Zauberer. „Ist doch war.“, grummelte dieser. Der Zauberer stand auf, ging zur Anrichte, nahm einen Becher und füllte diesen mit einer hellen brauen Flüssigkeit. Dann kam er wieder und stellte den Becher vor Daniel hin. Fragend sah der Junge ihn an. „Was ist das denn?“, wollte Wurzel wissen. „Ein Kommunikationssaft. Jeder der diesen Saft trinkt, kann mit jedem, je nach Wunsch Kontakt aufnehmen.“, erklärte der Meister. „Ah, das ist praktisch!“, rief Daniel. „Dann kann ich immer mir dir reden.“

 

Der Meister nickte bedächtig. „Wenn es das ist, was du dir wünschst, dann ja“. Daniel sah vom Meister zum Kobold und wieder zurück. „Und? Worauf wartest du noch?“, erkundigte sich der Meister. „Pack dir ein paar Sachen zusammen und brech auf.“

 

Eilig flitzte Daniel in seine Kammer und packte ein Kissen, eine andere Hose und ein anders Hemd in seinen Beutel. Flitze dann in die Küche und holte etwas Brot, Käse und eine Flasche Wasser, die er auch in den Beutel steckte. Suchend sah er sich um. „Was brauchst du jetzt  noch?“, irritiert sahen der Meister und der Kobold dem Jungen zu, wie er von der Wand zielstrebig einen Fuß vor den anderen setzend eine bestimmte Anzahl Schritte gerade aus ging, dann in einem rechten Winkel nach links ging und dann dreimal gegen die Bodenplatte mit dem Fuß klopfte. Eine Holzplatte löste sich und Daniel kniete sich hin und hob die Holzbodenplatte komplett nach oben, legte sie beiseite und griff mit seinen Händen in das Loch und holte ein großes altes verstaubtes Buch heraus. Er lächelte und blies den Staub herunter.

 

„Daniel!“, polterte der Meister. Daniel gelang es sogar etwas schuldbewusst dreinzublicken. „Du wusstest also doch wo das Buch ist!“, stellte der Meister fest. „Welches Buch?“, verwirrt sah Wurzel von dem kleinen Zauberer zu dem großen Meister. Der Meister winkte ab. „Er wird es eh brauchen.“, erklärte er und seufzte. Wie Daniel dies nur wissen konnte. Er erinnerte sich noch sehr genau an den Tag vor einigen Jahren, als ein jüngerer Daniel das Buch entdeckt hatte in dem es um Zaubersprüche in einer anderen Welt gab.

 

Jeder ältere Zauberer weiß, dass ein Zauberspruch in der einen Welt keineswegs dieselbe oder annähernd die ähnliche Wirkung in einer anderen Welt hatte. Der Meister hatte es mit allen möglichen und unmöglichen Kniffen, Tricks, Drohungen und Erpressung versucht Daniel von diesem Buch fern zu halten  – doch Daniel hatte da seinen starken Starrkopfs gezeigt und sich von nichts beeindrucken lassen. Er wollte dieses Buch. Irgendwann war dieses Buch verschwunden und Daniel hatte anscheinend aufgegeben an dieses Buch zu kommen. Nun offensichtlich doch nicht. Daniel hatte tatsächlich eine Möglichkeit gefunden an dieses Buch heranzukommen.

 

„Nun bist du reisefertig?“, polterte der alte Zauberer. Daniel nickte. „Gut! Wurzel wird dich ins Schloss bringen und durch den Spalt schubsen. Mergaan wird dir alles geben, was du brauchst. Und auch wie du unseren König erkennst.“ – „Wer ist Mergaan?“, fragte Daniel. „Eine Zauberin, die den Spalt bewacht.“, erklärte der Meister. Daniel ergriff seinen Beutel und ging los und drehte sich noch einmal fröhlich winkend zu seinem Meister hin. Wurzel ging neben dem Jungen her und sprach eifrig auf ihn ein.

 

„Hoffentlich geht alles gut!“, besorgt sah der Meister Daniel nach.

Teil 5

Der kleine Zauberer Teil 3

Teil 1 / Teil 2

Teil 3

 

„Oh ja! Es gibt jemanden, der den König zurück bringen kann – zumindest steht es in der Prophezeiung.“, kam die grollende Stimme des Meisters. Fragend sah Daniel ihn an. „Na dann würde ich es ihm sagen.“ Daniel verstand das Ganze nicht. Dass Erwachsene es immer so umständlich machen mussten. „Das tun wir gerade!“, eindringlich sah der Meister Daniel an.

„OH? – ICH soll den König holen?“, fragte der Junge als er nach Minuten des Schweigens verstand was sein Meister ihm sagen wollte. Der Meister und der Kobold nickten. „Cool!“, rief Daniel aus und grinste. Endlich passierte mal was in seinem Leben.

 

„Was heißt das denn >cool<?“, fragte der Kobold verwirrt. „Er ist einverstanden!“, erklärte der Meister trocken. Nachdenklich nickte der Kobold und sah auf den aufgeregten Jungen. „Was muss ich tun?“, fragte Daniel.

 

„Langsam, langsam!“, meinte der Zauberer. „Ja aber je eher der König wieder da ist, umso besser!“, rief Daniel. Der Kobold nickte eifrig in Zustimmung. Zauberer waren immer so bedächtig. Was man alles tun könnte, wenn man nicht so nachdenklich wäre – der junge Zauberer schien da eine rühmliche Ausnahme zu sein. „Wir müssen ihn noch vorbereiten…“ – „Vorbereiten auf was?“, meinte der Kobold. „Auf die andere Welt!“, erklärte der Zauberer leicht ungeduldig. „Ach so- jaja – dann tun wir das doch!“, meinte der Kobold leicht ungeduldig. Daniel nickte eifrig.

 

Der Zauberer räusperte sich und sah Daniel an, der gespannt auf seinem Stuhl saß und aufmerksam in das Gesicht seines Meisters sah.

„Wie du weißt, ist unser König verschwunden. Es war vor mehreren Jahren, es gab ein großes Fest zu Ehren des großen Friedens, der sich endlich in unsere Welt etabliert hatte. Der König ging nur einmal kurz in sein Gemach – und kam nie wieder. – Lange und intensiv haben wir nach ihm gesucht. Unter jedem Stein haben wir nachgeschaut und umgedreht. Hinter jeden Grashalm. Doch nichts! Der König blieb verschwunden. Dann gelang es der Hexe Mathilda ein geheimes Portal im Gemach des Königs zu entdecken. Wir hatten einen Anhaltspunkt!“ – „Und dann seid ihr durch das Portal?“, fragte Daniel.

 

Der Zauberer lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Wir haben es versucht – doch wir kamen nicht durch. – Eine höhere Macht schien uns davon abzuhalten. Es war wie ein magisches Schild. Die anderen Zauberer und ich haben alle Bücher der Bibliothek von >Doll um Castle< gelesen und durchforstet, bis wir endlich fündig und auf die Prophezeiung gestoßen sind.“

 

„Welche Prophezeiung?“, Daniel wurde ganz hibbelig. Warum musste sein Meister immer die Spannung so steigern und so langsam zum Punkt kommen. „Es geht die Geschichte um, dass ein großer Zauberer, geboren in der fremden Welt, kommen und unsere Stabilität wieder herstellen konnte.“ – „Und durch den Verlust unseres Königs ist die Stabilität in Gefahr –“, warf der Kobold ein.

 

„Aber was habe ich damit zu tun?“, fragend sah Daniel den Zauberer an. Dieser seufzte wieder. „Bei einigen Versuchen, den magischen Schild in dem Portal zu durchbrechen, haben wir ein kleines Loch geschlagen. Nicht groß genug, dass wir durchgekommen sind, aber doch groß genug, dass ein kleines Baby aus der anderen Welt zu uns kommen konnte. – Und du weißt sicher, wer dieses Kind war? Nicht wahr?“, fragend sah der Zauberer Daniel an. „Du meinst – ICH bin das Kind?“ – „Ja, als uns allen klar war, welche Bedeutung du für uns hast, haben wir beschlossen dich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Du wirst all deinen Mut und Energie brauchen um in die andere Welt einzudringen und den König wieder zurück zu bringen.“

Teil 4

Der kleine Zauberer Teil 1

Teil 1

Es war einmal in einer nicht allzu fernen Welt ein kleiner Zauberer mit Namen Daniel. Eigentlich war Daniel noch kein richtiger Zauberer. Er war erst ein Zauberlehrling. Sozusagen in der Ausbildung.

Daniel lebte mit seinem Meister  in einer kleinen Hütte im Wald. Dort erhielt er die Lehrstunden von seinem Meister. Daniels Meister war ein alter Zauberer. Und alle typischen Vorstellungen wie so ein alter Zauberer aussah zeigten sich in Daniels Meister. Der junge Zauberschüler fand das immer sehr lustig. Vor allem wenn der lange weiße Bart des Meisters im Gesicht unter dem spitzen Hut fröhlich beim Zaubern hin und her schwang. Daniel war kein normales Kind. Das hatte ihm sein Meister schon immer erzählt. Daniel hatte die besondere Gabe, sich so auf eine Sache zu konzentrieren, dass er die anderen Dinge, die um ihn herum geschahen nicht mitbekam. Mit Hilfe seines Meisters musste er nur lernen, die wichtigen Dinge, von den unwichtigen zu unterscheiden.

 

„Warum leben wir eigentlich im Wald?“, wollte Daniel eines Abends wissen, als er mit seinem Meister beim Abendessen zusammen saß. „Weil das Ausüben von Magie nicht ganz ungefährlich ist, vor allem, wenn man noch nicht so geübt ist.“ – „Wann bin ich denn geübt genug?“, wollte Daniel wissen. Der Meister lächelte. „Bald!“, erwiderte er und lächelte seinem jungen Schüler zu, der sein Gesicht verzog und schmollend die Unterlippe vorschob. „Das sagst du jedes Mal!“,

„Ich sage es jedes Mal, bis du soweit bist. – Iss jetzt auf!“, der Meister nickte Daniel zu. Dieser seufzte und biss in sein Käsebrot. Kurze Zeit später, als er bemerkte, dass der Meister gerade aus dem Fenster sah, ergriff Daniel blitzschnell ein Stück von seinem Brot und reichte es unter dem Tisch an den Kater Oscar weiter. Dankbar nahm dieser die Leckerei an. Als ein schmatzendes Geräusch unter dem Tisch erklang, wandte der Meister den Blick wieder an Daniel und runzelte die Stirn. Unschuldig sah der Junge ihn an. „Nun – wenn du keinen Hunger mehr hast, warum sagst du es nicht?“, wollte der Meister wissen. „Ja weil du dann immer sagst, dass ich dankbar für das Essen sein muss und aufessen muss.“, entwaffnend lächelte Daniel seinen Meister an. Dieser warf laut lachend seinen Kopf zurück.

 

„Du kennst mich gut! – Nun, dann gib dein Brot an Oscar weiter –dann freut sich wenigstens einer darüber.“, er nickte Daniel zu.

Dankbar nahm der Kater die Gabe an und schmatze laut. „Nun, dann ist Zeit für dich ins Bett zu gehen. Wir wollen morgen früh üben.“, Der Meister nahm seinen Teller und stellte ihn in die Abwaschschüssel und mit einer kleinen Bewegung seines linken kleinen Fingers begann sich Wasser in die Schüssel zu füllen und Schwamm und Bürste säuberten Teller und Glas des Meisters.

 

Daniel beschwerte sich, doch es half nichts, er musste ins Bett.  Wie immer, wenn er mit dem Abendessen fertig war.

 

Später lag Daniel im Bett und war kurz davor einzuschlafen, als er durch ein leises Klopfen aufschreckte. Er hörte, wie der Meister über den Holzboden zur Tür ging, diese öffnet und den nächtlichen Besucher herein lies. Leise Stimmen drangen durch die verschlossene Tür. Aber Daniel konnte sie nicht verstehen, was sie sagten. Neugierig krabbelte Daniel aus seinem Bett und zur Tür von der Kammer zum Wohnraum. Gut dass der Vollmond hell in sein Zimmer fiel, sonst hätte er nichts gesehen.

 

Daniel öffnete die Tür einen Spalt. Der Meister und sein Gast saßen am Tisch. Daniel sah, wie der Meister energisch seinen Kopf schüttelte. „Nein! – Der Junge ist noch nicht soweit!“ – „Das sagst du schon seit drei Jahren – aber du wirst dich damit abfinden müssen, dass der Junge die Reife erreicht hat.“, kam die tiefe Stimme des Besuchers. Daniel versuchte durch den Spalt einen Blick auf den Gast zu werfen. Ein großer runzeliger Kobold saß da auf seinem Stuhl. Erschrocken wich Daniel zurück und stolperte über den einzigen Stuhl in seiner Kammer. „Aua!“, rief er aus.

Teil 2