Teil 8: 17 Tage vor Weihnachten
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- Kategorie: 24 Tage vor Weihnachten
- Veröffentlicht am Mittwoch, 23. November 2011 10:20
- Geschrieben von Susanne
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Genny rannte über die Straße. Mist! Jetzt kam sie doch zu spät. Schwer atmend erreichte sie den Shop, rannte durch den Hintereingang in den Personalraum und band ihre Schürze um. Dann rannte sie schnell weiter zum Gästeraum. Und dann blieb sie mit offenem Mund in der Tür stehen. „WAS machst DU da?“ rief sie verblüfft. „Wieso?“ fragte Alexander. „Ich arbeite hier. Ich glaube wir haben uns schon mal gelegentlich gesehen, aber der Raum ist ja groß, da verläuft man sich.“ meinte er dann trocken und grinste breit. „Ich meine: was machst DU um diese Zeit hier? Wir haben noch nicht mal offen?“ – „Ich habe heute Morgenschicht, wenn du auf den Plan gucken würdest. Das bringt mich zu der Frage: was machst du hier? Du bist doch erst am Samstag dran?“ – „Heute ist Freitag?“ Genny war verwirrt. „Hattest wohl eine ereignisreiche Nacht heute?“ er grinste immer noch. Genny wurde rot und sah verschämt nach unten. Die Tür zum Büro öffnete sich und Tony betrat den Raum und hielt sich den Arm mit seiner Armbanduhr ans Ohr und schüttelte dann denselben. „Haben wir schon offen? – Mist, dann geht meine Uhr falsch.“ – „Nein, wir haben noch nicht offen.“ erklärte Alexander. „Alex!?“ rief Tony verblüfft. „Was machst du denn hier?“ – „Ich arbeite hier.“ erklärte dieser leicht ungeduldig und verdrehte seine Augen. Tony sah verwirrt auf seine Uhr. „Aber wir haben doch noch nicht offen? Oder?“ – „Nein. Er war nur pünktlich.“ kam es trocken von Genny.
Tony faste sich an die Brust. „Dass ich das noch erleben darf.“ Er grinste. „Wieso ist eigentlich jeder verblüfft, wenn ich mal in der Arbeit bin.“ Alexander grummelte. „Mein lieber Kollege, wir sind nicht überrascht, dass du zur Arbeit kommst, wir sind nur überrascht, dass du pünktlich bist.“ stellte Genny klar.
„Ich bin immer – na ja, nicht immer aber oft pünktlich!“ begehrte er auf. „Pünktlich ja, aber nicht zu früh. – Wo gehst du hin?“
„Ich sperre auf, denn mittlerweile HABEN wir geöffnet.“ sprach und schritt zur Tür und ließ die ersten hungrigen Studenten herein.
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Nach dem typischen Frühstücksansturm wischte Alexander die Theke ab, mit seiner Schürze. Er musste eh wieder eine neue anziehen und war insgeheim froh, dass Genny gekommen war. Der Ansturm war überraschend hart gewesen und alleine wäre er wahrscheinlich dem nicht gewachsen gewesen. Genny lehnte an der Theke und trank ihren Pausenkaffee. „Was ist los?“ – „Wie?“ – „Du hast schon richtig gehört. WAS.IST.LOS?“
„Nichts, was soll los sein?“ fragte er betont unschuldig und nahm ein Tablett und stellte es in die Durchreiche zur Küche.
„Lenk nicht ab – du weist was ich meine. A – du kommst pünktlich und nicht gerade auf den letzten Drücker und B – du hast heute nicht geflirtet.“ Er lachte laut auf und grinste breit. „Und das ist ungewöhnlich, weil?“ – „Du nichts anbrennen lässt, was bei drei nicht auf den Bäumen ist.“ kam es spontan von Genny. Er griff sich gespielt verletzt an die Brust. „Da muss ich ja ein richtiges Arschloch sein?“ – „Nein, das würde ich nicht sagen, aber du nutzt jede Gelegenheit.“ Alexander warf seine Schürze in Richtung Genny.
„Entschuldigung – ich hätte gerne einen Milchkaffee.“ kam eine schüchterne Stimme. Alexander wandte sich der Kundin zu und war insgeheim sehr froh über diese Ablenkung.
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„Hallo ihr zwei – na fleißig bei der Arbeit?“ Cleo betrat den Shop und klopfte sich den Schnee von der Kleidung. „Hallo Cleo!“ rief Genny erfreut. Alexander, der gerade beim Abräumen war nickte ihr nur zu und wandte sich dann eilig ab, damit Cleo nicht sah, wie er wahrscheinlich bei ihrem Anblick errötete und verschwand in der Küche. „Was kann ich für dich tun?“ wollte Genny wissen. „Ich hätte einen Milchkaffe und ein Croissant.“ Cleo ließ sich an den Thekenplätzen nieder, wickelte den Schal ab, zog die Handschuhe und Mütze aus und nieste. „Gesundheit!“ Genny reichte ihr ein Taschentuch. Von der Küche erklang das laute Poltern von herunterfallendem Geschirr gefolgt von einem lauten ausgiebigen Fluchen. „Was passiert?“ rief Genny in die Küche. „Nichts – verdammte Scheiße!“ erklang die laute Stimme von Alexander. „Es sind Gäste anwesend.“ Cleo kicherte und nieste. „Gesundheit!“ kam es unisono von Genny und Alex aus der Küche. „Du wirst doch nicht krank werden?“ fragte Genny als sie wieder ein Taschentuch an Cleo reichte. Diese schüttelte den Kopf. „Ich niese immer im Winter. Frag Per!“ – „Dein Wort in Gottes Ohr. Wenn ich Niese dann werde ich immer krank.“
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Als Cleo die Wohnung erreichte war sie mehr als durchgefroren. Sie nieste. Und Kopfschmerzen hatte sie auch. Sie würde doch nicht wirklich krank werden? Das konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen.
„Gesundheit!“ kam es aus der Küche und Per und Freddy steckten ihre Köpfe heraus. „Danke! Kann ich brauchen.“ Cleo schniefte. „Seit wann wirst du krank, wenn du niest?“ Per war erstaunt. „Keine Ahnung, aber ich hab Kopfschmerzen, werde gleich ins Bett gehen. – Brr, ist das kalt.“ Cleo schauderte. „Dann mach das auch. Ich bring dir dann gleich einen Tee.“ fürsorglich umarmte Per seine Schwester und rubberte an ihren Armen. „Ich schau ob ich noch irgendwo eine Hühnerbrühe auftreiben kann?“ bot Freddy an. Per sah sie an, als käme sie direkt vom Himmel. „Vielen Dank!“ Dann wandte er sich an Cleo: „Komm Kleine, wir legen dich jetzt hin.“
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Nachdem Cleo sich hingelegt hatte und den Tee getrunken hatte und ein paar Löffel Suppe intus hatte, Freddy hatte wirklich etwas aus dem Inhalt des Vorratsschrankes so was Ähnliches wie eine Hühnersuppe gezaubert, schlief sie gleich ein. Per hatte ihr fürsorglich mehrere Flaschen Wasser und Berge von Taschentüchern, die er aus allen möglichen Ecken und Enden der Wohnung her gesucht hatte – Cleo wollte gar nicht genau wissen, woher- dagelassen. Freddy saß derweil noch mit Per in der Küche während Per versuchte Alexander zu erreichen. Freddy und Per hatten heute Nachmittagsseminar und Per wollte Cleo in ihrem Zustand nicht alleine lassen. „Hey Alex – ist viel los? – Wie lange musst du noch? – Was? Nein, heute brauch ich keinen Gratismuffin. – Nein, du hör mal, Freddy und ich haben doch heute Seminar – NEIEN, nicht was du meinst.“ Per errötete leicht. Freddy sah es und kicherte. „Du hör mal, Cleo hat eine Erkältung und Cleo hat eigentlich nie eine Erkältung und ich möchte sie nicht – Alex? – Alex bis du noch dran?“ was sollte das jetzt? Hatte er aufgelegt? Nein, kann nicht sein, er hörte seinen Kumpel im Hintergrund mit jemand sprechen.
„Per – passt schon, Genny übernimmt meine Schicht und ich kann gleich kommen.“ – „Hey danke – hoffe das ist auch ok für Genny?“ – „Kein Problem! Sie ist eh schon da. – Bis später!“ – „Super, danke!“ – „Er kommt?“ wollte Freddy wissen, während sie Per noch Tee nachschenkte. Per schüttelte verwirrt den Kopf. „Was ist?“ Freddy sah ihn neugierig an. „Nichts – nur…“ – „Was?“ – „ Na ja, irgendwie hat er komisch reagiert.“ – „Inwiefern komisch?“ – „Ich weiß nicht, irgendwie nicht so wie Alexander. Ich kann’s gar nicht beschreiben. Irgendwie komisch.“ – „Er mag sie halt.“ kam es trocken von Freddy. „Das habe ich befürchtet!“ Per seufzte. Freddy lachte. „Alex wird sie schon nicht beißen.“ – „Wenn’s nur das wäre. – Cleo beißt zurück.“ Per grummelte. Freddy lachte wieder.
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Cleo wachte nach langen wirren Träumen auf. Natürlich hatte Alexander die Hauptrolle darin gespielt. Das sie aber auch gar nicht davon los kam. „Na – geht’s wieder besser?“ – „Ahhh!“ Cleo schrie vor Schreck auf. OH mein Gott! Was machte er denn hier. Und dann lächelte er auch noch so nett und freundlich und reichte ihr eine Tasse Tee. „Musst du nicht arbeiten?“ rief sie erschrocken. „Tschuldigung! Wollt‘ Dich nicht erschrecken.“ – „Oh ich bin nur nicht ganz wach. Kein Problem.“ Dankbar nahm sie den Tee. „Und?“ wollte er dann wissen. „Was und?“ – „Geht’s dir besser?“ – „Ja – äh – klar, sicher…“ sie hustete leicht. Alex nahm ihr die schwankende Teetasse ab und setzte sich neben sie auf die Gästematratze und hielt seine Hand an ihren Rücken. Cleo schloss die Augen. Oh je, es wurde noch schlimmer mit den Schmetterlingen im Bauch. „Hey?! – Kipp mir nicht um, dein Bruder killt mich!“ eine leichte Panik konnte er in seiner Stimme nicht verbergen. „Ist schon ok. Geht schon wieder.“ sie lächelte ihm an. Sicher hatte sie einen roten Kopf. „Bitte lass ihn glauben, dass es vom Fieber kommt – bitte?“ flehte sie in Gedanken. „Ich glaube ich sollte noch etwas schlafen.“ – „Sicher! Wenn du was brauchst ich bin in meinem Zimmer – und ich mach die Musik auch nicht so laut.“ Er stand wieder auf und lächelte auf sie herab und verließ das Wohnzimmer, nicht ohne ihr vorher noch den Tee zu überlassen.
Kaum hatte er das Zimmer verlassen, fiel sie aufstöhnend in die Kissen zurück. „Alles klar?“ er steckte noch einmal besorgt den Kopf durch die Tür. „Alles klar! Hab nur Kopfschmerzen.“ – „Ich bring dir noch ein Aspirin.“ und zog seinen Kopf zurück.
Hoffentlich hatte er ihr nicht zu viel versprochen und sie hatten noch ein Aspirin. Er wühlte im Haushaltsschrank – und fand tatsächlich noch eine. Wie kam die in den Toaster?
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Cleo hatte das Aspirin genommen und schlief wieder. Alexander lag auf seinem Bett und starrte nachdenklich an die Zimmerdecke.

