Teil 27: 2. Feiertag

Alexander war verwirrt. Cleo verhielt sich schon die ganze Zeit so komisch. Irgendwie konnte er nicht wirklich mit ihr reden. Dabei war der Rest der Familie sehr nett. Vor allem die Onkel Arian und Colin waren wirklich cool und da war noch Onkel Horace, der Bruder vom Großvater von Cleo und Per. Sogar Claus, als Vater von Cleo, hat relativ entspannt über seine Anwesenheit reagiert und ihn gleich eingeladen ihn doch beim Vornamen zu nennen. Immer wenn er kurz mit Cleo allein sein wollte, verschwand sie unter irgendeinem Vorwand entweder in der Küche, um ihrer Mutter zu helfen – doch die Leute vom Catering schienen sich schon wie zu Hause zu fühlen und erledigten alles von alleine – dann wollte sie unbedingt mit Onkel Horace reden, der gemütlich in seinem Ohrenstuhl saß und die Leute beobachtete und frech-charmant grinste.

Langsam ging Alexander, der, in Ermangelung der Gesellschaft seiner Freunde, nichts Besseres mit sich anzufangen wusste in dem immer voller werdenden Haus umher. Hoffentlich kamen nicht noch mehr Verwandte. Auch fragte er sich langsam, wie viele Verwandte Per und Cleo hatten. Und vor allem, wenn das hier nur ein kleiner Teil – der enge Kreis der Familie – war: wie groß war die Familie von Cleo und Per dann wirklich?

„Willst du auch was?“ Christina, eine der Tanten seiner Freunde reichte ihm eine Bierflasche und grinste ihn breit an. „Danke!“ erleichtert nahm er die Flasche und war froh etwas in der Hand zu haben. „Ich bin auch immer wieder überrascht wie viele sie sind. Ich mach das ja noch nicht so lange mit.“ eröffnete sie die Konversation. „Ach? Wie war das möglich? – Ich habe nicht den Eindruck, dass man sich dieser Familie so leicht entziehen kann – oh Entschuldigung!“ er war leicht verlegen und schaute auf seine Schuhe. Konnte er so offen mit Tante Christina reden? Sie lachte laut auf und grinste noch breiter, falls dies überhaupt noch möglich war. „Nein – so einfach ist das wirklich nicht – sie fordern wirklich viel Aufmerksamkeit, aber wenn man einmal dazu gehört halten sie auch zu einem.“ Christina prostete ihm zu. „Da bist du ja – wie geht es dir!“ Onkel Arian gesellte sich zu ihnen und umarmte Christina herzlich. Alexander wurde mit männlich starkem Händedruck begrüßt. „Und du bist?“ wollte Onkel Arian wissen. „Ich bin Alexander, der Freund von Cleo und Per – und wir hatten uns schon gesehen.“ wagte er vorzubringen. Der ältere Mann lachte ob seines eigenen Faux Pas und stieß mit Alex an. „Es sind einfach zu viele Leute hier.“ erklärte er entschuldigend. Na wenn es dem schon so ging und Arian machte es ja schon viel länger mit.
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Per saß mit Freddy im Wintergarten als Alexander hereinstürmte, die Tür zuschlug, das Licht löschte und sich im Dunkeln versteckte.

Belustigt beobachteten Per und Freddy wie ihr Freund langsam und vorsichtig die Tür öffnete, nach draußen späte, die Person, die er befürchtete nicht mehr sah, die Tür wieder schloss und mit einem tiefen Stoßseufzer in den nächsterreichbaren Sessel fiel, den er im Dunkeln erkannte.

„Vor wem läufst du denn davon?“ Pers Stimme aus der Dunkelheit lies Alexander auffahren und einen leichten Schrei ausstoßen. „Gott – Per, verdammt! – Was machst du denn hier?“

„Ich sitze hier gemütlich nichts Böses ahnend mit meiner Freundin und unterhalte mich, und dann stürmst du wie ein Verrückter herein und löschst das Licht?“ antwortete Per trocken. „Also, vor wem bist du geflohen? – Vor Cleo?“

Alexander winkte ab. „Wenn ich nur vor Cleo fliehen müsste!“ er brach ab. „ – Nein Eure Tante Marmy hatte mich am Winkel –“

Per lachte. Oh ja, er kannte seine Tante Marmy. Marmy war eine Schwester von seinem Großvater und eine sehr gutmütige, hilfsbereite aber durchaus gewaltige Frau, die jeden in ihr Herz schloss und heftig daran teil haben lies. „Schön dass auch du leiden musst.“ –„Ich kann mir was schöneres vorstellen.“ grummelte Alexander und seufzte. „Konnte dir Cleo nicht helfen? – Normal seid ihr ja nicht auseinander zu kriegen?“ wollte Freddy wissen. Alexander seufzte. Antwortete aber nicht. „Hey? – Was ist los?“ Freddy sah Alex an. „Wenn ich das wüsste?“ – „Habt ihr Streit?“ erkundigte sich Per. Alex schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht – bin mir aber irgendwie nicht sicher. Seit heute Morgen geht sie mir aus dem Weg. – Hat sie Euch was erzählt?“ Leider mussten seine Freunde verneinen.
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Cleo stand in der Küche und rührte in einer Schüssel. Mona-Elise kam herein und stellte sich neben ihre Tochter. Cleo reagierte nicht, sondern sah weiter in die Ferne. Leicht berührte Mona-Elise die Schulter ihrer Tochter. Cleo schrak auf und erkannte ihre Mutter. Sanft lächelte diese Cleo an. „Was ist los? Du bist doch mit deinen Gedanken völlig woanders?“ – „Woher?“ – „Na ja, wenn meine hübsche Tochter in der Küche in einer leeren Schüssel herumrührt und ihr Freund irgendwo da draußen allein herum läuft – dann muss was nicht stimmen.“

Cleo sah in die Schüssel. Tatsächlich, sie war leer. Und seufzte tief. „Hattet ihr Streit?“ wollte Mona-Elise wissen, während sie ein paar tatsächlich benutzte Schüsseln in den Geschirrspüler räumte. Obwohl sie sehr froh war, die Cateringfirma beauftragt zu haben, vermisste sie das herum räumen.

Ihre Tochter schüttelte traurig den Kopf. Mona-Elise lächelte und strich ihrer Tochter eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Weißt du, manchmal sagen oder handeln Männer ohne wirklich zu denken. – Sie verletzen uns, ohne es wirklich zu wollen. Da müssen wir weise und klug genug sein, sie darauf hinzuweisen.“ – „Er kann uns nicht auseinander halten!“ verzweifelt schluchzte Cleo auf. Mona-Elise umarmte sie und streichelte ihren Rücken. „Er ist die ganze Zeit hinter Finny her, seit sie heute Morgen angekommen ist und kommt gar nicht auf die Idee, dass ich es nicht bin.“ – „Ach mein armer Schatz! – Doch ich bin trotzdem der Meinung, dass du es ihm sagen sollst.“ – „Mutter!“ Cleo war leicht genervt. „Was soll ich ihm denn sagen? – etwa: Alex, ich weiß, dass du mich nicht richtig liebst, weil du den ganzen Tag schon hinter Finny her bist?“ – „So ungefähr, aber vielleicht solltest du ihm auch sagen, wie sehr es dich verletzt und wie ihr es in Zukunft vermeiden könnt.“ –„Es bleibt aber noch die Tatsache, dass er mich nicht richtig liebt!“ beharrte Cleo stur. Mona-Elise seufzte. Oh ja, Cleo hatte durchaus die Familiendickköpfigkeit geerbt. „Wie kommst du denn darauf?“

„Ja, aber es ist doch so, jemand der Finny und mich oder eine von uns beiden richtig lieb hat, kann uns auch auseinanderhalten.“
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Alexander machte sich wieder auf die Suche nach Cleo. Irgendwie musste die Situation doch zu klären sein. Suchend sah er sich um, in der Hoffnung nicht wieder Tante Marmy über den Weg zu laufen.

„Nicht erschrecken!“ kam es von hinten. Er drehte sich um und Cleo grinste ihn offen an. „Da bist du ja!“ Alex lächelte erleichtert und wollte Cleo umarmen. Sie entzog sich ihm lachend. „Aber doch nicht vor allen Leuten! – Dahinten steht mein Vater.“ sie grinste. „OH, da ist Onkel Colin – du den muss ich unbedingt begrüßen.“ – „Cleo, wir müssen…“ Alex fluchte. Schon wieder hatte sie sich ihm entzogen. Was war nur los? Irgendwas war anders. Alex kniff die Augen zusammen und beobachtete Cleo und ihren Onkel wie beide miteinander sprachen, sich freundschaftlich ansahen, leicht berührten und doch war irgendwas nicht so, wie es sein sollte. Irgendwie hatte er das Gefühl, das Cleo gar nicht Cleo war, aber die Frau sah ganz eindeutig aus wie Cleo und doch war sie es auch wieder nicht. Er kniff die Augen zusammen. „Sie hatten sich schon immer gut verstanden.“ kam die freundliche Stimme von Mona-Elise von hinten. Alexander erschrak. Hatten alle Frauen in dieser Familie die Angewohnheit sich von hinten anzuschleichen? „Amüsierst du dich? – Ich hoffe die Familie ist nicht zu anstrengend – wenn man sie nicht gewohnt ist.“ sie lächelte entschuldigend. „Oh ja, natürlich.“ er lächelte höflich zurück. „Ich glaube ich sollte mal Per suchen.“ sprach und verschwand. Kaum war er außer Sichtweite seiner Gastgeberin und allen anderen lehnte er sich gegen die Wand und schloss die Augen. „Alex!? – Alles ok?“ Cleos Stimme holte ihn zurück. Er öffnete die Augen. „Um ehrlich zu sein – nein!“ ernst sah er sie an. Sie schluckte. Er stieß sich von der Wand ab und ging auf sie zu. „Wir müssen reden!“ meinte Cleo. Alex nickte und folgte ihr. Beide gingen in den Wintergarten und diesmal überzeugte sich Alexander ob sie auch wirklich alleine waren.

„Ist dir heute an mir was aufgefallen?“ Cleo überraschte Alex mit dieser direkten Frage. „Wie meinst du das?“ skeptisch sah er sie an. „Na ja, bin ich heute anders?“ – „Um ehrlich zu sein – ja. Wieso entziehst du dich mir?“ Wie konnte er?! Er hielt sich doch die ganze Zeit von ihr fern.

„Das fragst du noch? – Wer ist denn die ganze hinter Finny her!“ – „Was? – Wer zum Henker ist Finny?“ rief er erzürnt. Was sollte das jetzt von Cleo? „Den ganzen Tag versuche ich mit dir zu reden und ständig entziehst du dich mir und dann soll ich hinter ,Finny‘ her sein? – Ich weiß noch nicht mal wer das ist.“

„Aber ihr habt doch vorhin miteinander gesprochen?“ erklärte Cleo verwirrt.

„Vorhin, habe ich mit dir gesprochen, dann bist du, wie so oft, unter irgendeinem Vorwand, zu einem deiner Verwandten geflohen und dann habe ich kurz mit deiner Mutter gesprochen. – Die mich übrigens gefragt hat ob ich mich amüsiere, um ehrlich zu sein: nein ich amüsiere mich nicht. Meine Freundin verhält sich – ich weiß nicht, wie…“ er brach verzweifelt ab. „Wie was?“ Cleo sah ihn abwartend an. „Na wie ein ganz anderer Mensch!“ stieß Alex hervor. „Und wieso wechselst du heute ständig deine Klamotten, du bist doch sonst nicht so?“

Cleo war verwirrt. „Dann willst du gar nichts von Finny?“ – „Herrgott – ich kenne keine Finny!“ Was sie immer mit dieser Finny wollte. „Aber du hast immer hinter ihr hergesehen und mit ihr gesprochen?“

„Wie oft soll ich es denn noch sagen: ich kenne Finny nicht, ich habe heute nicht mit einer Finny gesprochen. – Viel mehr möchte ich endlich wissen, wieso meine Freundin den ganzen Tag meidet wie die Pest!“

Cleo schüttelte den Kopf. „Versuch nicht abzulenken, dass du uns nicht auseinander halten kannst!“ – „WAS!?“ – „Ja, ist doch so! – Ist ja ok, du wolltest sicher nur nett zu einem Fan sein.“ traurig sah Cleo ihn an. „Was?“ wiederholter Alexander. „Nein!“ er schrie verzweifelt auf. Was sollte das denn jetzt? „Ist schon in Ordnung. Es war wirklich nett. Ich hatte wirklich eine schöne Zeit Alex, aber ich weiß, wenn mich jemand nicht liebt.“

„Hör sofort auf!“ Alex hielt sich die Ohren zu. Entgeistert sah er sie an. Cleo sah ihn an und hatte Tränen in den Augen. „JA du bist doch Schauspieler, du hast es wirklich gut gespielt. Aber gib es zu, du wolltest nie wirklich was von mir.“ – „Wie kommst du darauf?“ er kam auf sie zu die Stimme leise und bedrohlich. „Na ja, wegen Finny und mir – du hast uns nicht auseinander halten können. – Aber keine Sorge, ich nehme es dir nicht übel. Es fällt vielen schwer Finny und mich auseinander zu halten, das ist so bei identischen Zwillingen.“ offen sah Cleo ihn an. Jetzt würde er es wohl zugeben müssen, dass er sie beide nicht auseinander halten kann. „Identische Zwillinge?“ wiederholte Alexander tonlos. „Alex, mach es uns doch nicht so schwer. Finny und ich sind identische Zwillinge und nur wer uns beide oder einen von uns beiden von ganzen Herzen lieb hat, kann uns auseinander halten.“

Cleo fragte sich wie lange er das Spiel noch spielen würde.

Er schüttelte den Kopf. „Und warum zum Henker hast DU mir nicht gesagt, dass du eine Zwillingsschwester hast?“ – „Was? – Aber …wusstest du nicht?“ – „Nein!“ – „Aber du wohnst doch schon ewig mit Per zusammen?“ – „Wir sind Jungs – wir reden nicht unbedingt über die Familie.“ – „Dann wusstest du es nicht?“ sie klang hoffnungsvoll. „Nein! – Dann warst das gar nicht du?“ er traute sich noch nicht richtig ihr zu glauben. Cleo schüttelte den Kopf. Alex hatte gar nicht gewusst, dass sie ein Zwilling ist. Dann konnte ja gar nicht auf die Idee kommen, dass noch jemand anders so rumlief wie sie. „Oh mein Gott, ich bin so doof!“ rief Cleo und fiel ihm um den Hals. Erleichtert erwiderte er ihre Umarmung. „Na ja, ich hätte es ja auch merken müssen – seit wann trägst du Sachen von Esprit.“ er zwinkerte ihr zu. Sie grinste. Alex hatte sich tatsächlich die Sache mit Esprit gemerkt.
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Die Familie versammelte sich später um den großen Tisch im Esszimmer. Na ja, Esshalle trifft es eher. Die Cateringfirma servierte das Essen und Alex hatte endlich Gelegenheit Finny näher kennen zu lernen. Finny entschuldigte sich sehr über das Missverständnis. Sie hatte sich schon fast gedacht, dass Alex nichts von ihr wusste. „Immerhin kenne ich meinen Bruder und meine große Schwester!“ sie zwinkerte ihm zu. Cleo stieß ihrer Schwester in die Seite und blickte verschämt zu Boden.

Mona-Elise und Claus sahen wohlwollen auf ihre Kinder. Die letzten Tage waren doch recht Turbulent und beide Elternteile waren froh, dass, so gern sie die Kinder und die Familie im Haus hatten, sie doch recht froh waren, wenn nach den Feiertagen wieder Ruhe und Frieden einkehren würden.

Ende

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