Teil 21: 4 Tage vor Weihnachten

Per verdrehte genervt die Augen. „Ja Mama! – Natürlich habe ich auf Cleo aufgepasst.“ Er hielt den Telefonhörer etwas von seinem Ohr weg. Man hörte die ferne Stimme seiner Mutter. „Per – du weißt doch wie Papa bei seinen Mädchen ist.“ Was konnte er denn dafür, dass Cleo Vater gefragt hatte, ob sie Alex zu Weihnachten einladen durfte und Vater natürlich fragen musste wer denn Alex sei. Und als Cleo dann erklärte, dass es jener junge Mann war, mit dem Per sich eine Wohnung teilte, war alles aus. Vater hatte gleich Per verlangt und ihn einige Dinge von Vater zu Sohn erklärt und Verantwortung, vor allem seiner Schwester gegenüber. Nicht, dass Pers Argument, dass Cleo ja die Älteste der Familiengeschwister war und somit durchaus in der Lage auf sich selber auf zu passen, irgendetwas daran änderte.
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„Kind! Oma möchte halt Weihnachten nicht bei Tante Sonja verbringen!“ die Stimme von Freddy Mutter klang leicht gereizt. „Ja aber warum dann bei uns – sie kann ja zu ihrem anderen Sohn fahren.“ schmollte Freddy. „Was hast du nur gegen Oma? Sooo schlimm ist sie nun auch wieder nicht.“ Freddy spürte den strafenden Blick ihrer Mutter sprichwörtlich durchs Telefon. „Sie ist nicht schlimm – sie ist nur so, so – Eben nur – OMA!“ –„Zeig ein bisschen mehr Respekt mein Kind. Oma ist immerhin schon eine alte Frau, da wird man wunderlich.“ –„Ich gebe mein bestes! Kann aber nichts versprechen.“ seufzte Freddy. „Mutti?“ –„Oh je – DEN Ton kenne ich – was willst du?“ ihre Mutter klang genervt aber Freddy konnte auch den leicht amüsierten Klang ihrer Stimme erkennen.

„Ich würde gerne – also da gibt es einen Jungen und ja wir würden gerne – also wir sind zusammen und er würde mich gerne einladen?“ – „Fredericke!“ rief ihre Mutter. „Mutti – bitte! Es ist eh nur am zweiten Feiertag, also am ersten würde ich hinfahren.“ – „Kenne ich den Jungen?“ – „Nein, wir haben ein paar Seminare zusammen und die praktischen Gruppen.“ – „Du willst mich also mit Oma alleine lassen?“ die Stimme ihrer Mutter klang nun wirklich amüsiert. „Dann werden wir wohl sehen, wie ich mit ihr auskomme – ohne dass wir uns gegenseitig umbringen.“ Freddy war erleichtert als sie das Lachen ihrer Mutter über das Telefon hörte. „Danke Mutti – du bist mir doch meine liebste Mutter!“ jubelte sie. „Klar!“ kam es trocken von ihrer Mutter. „Ich bin ja auch deine einzigste.“ Und nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu: „Sieh zu dass er dich glücklich macht – sonst bekommt er es mit mir zu tun.“
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Alexander ging ans Telefon. „Hallo?“ Und hätte beinahe den Hörer wieder fallen gelassen. „Was meinst du damit, du bist an den Feiertagen nicht da?“ – „Mum, ich bin bei den Eltern von Cleo eingeladen. Und nicht die ganzen Feiertage sondern nur am zweiten.“ – „Aber du wirst schon am ersten Feiertag wieder weg fahren und mich ganz allein lassen.“ jammerte seine Mutter. Er stöhnte innerlich. Nicht auf diese Tour! „Mum! – Du bist nicht allein! Dad ist doch da!“ – „Ha, da hab ich was von. Du kennst doch deinen Vater? Der wird die ganze Zeit vorm Fernseher sitzen oder beim Frühshoppen aus dem immer ein Ganztags-shoppen wird.“ schimpfte seine Mutter. „Und seufze nicht so genervt. –Aber wenn ich nur daran denke, was ich so aushalten muss, kann ich durchaus verstehen, dass du Weihnachten nicht mit deinen Eltern verbringen willst.“ Alexander sah verzweifelt zur Decke. Seine Mutter würde doch nicht…? Oder doch? „Mum!! – Nein, bitte nicht – das bringt doch nichts. Am zweiten Feiertag ist doch eh nicht mehr Weihnachten. Du putzt das ganze Haus. Dad ist den ganzen Tag zum Frühshoppen und ich sitze den ganzen Tag in meinem Zimmer – wir sehen uns eh nie am zweiten Feiertag.“ versuchte Alex seine Mutter zu beschwichtigen. „Aber du bist da!“ heulte seine Mutter. „Und das ganze Haus ist extra für dich dekoriert.“ – „Aber ich komme doch wieder. Oder ich komme dann gleich im neuen Jahr?“ versuchte er sie zu beschwichtigen und fügte in Gedanken hinzu: „Wenn das Haus nicht mehr extra dekoriert ist.“ Ein Schluchzen am anderen Ende der Telefonleitung zeigte ihm, dass ihm das nicht ganz geglückt war.
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„Papa! – Er ist ein anständiger Kerl! – Ja und? Auch wenn er mich nicht ernähren kann, ich kann mich selber ernähren. – Wie? Hörst du mir überhaupt zu? Ich habe ab 1.1. einen Job. Also erst ab 2.1. – Oh nein, Papa, ich warne dich, du wirst ihn dir nicht vornehmen wenn er zu Besuch kommt, hörst du?! – Nein! Auch Mama und Finny nicht!“ Cleo verdreht ihre Augen. Mist! Sie hätte nichts sagen sollen. „Papa! – Wir sind gerade erst zusammen gekommen. Wir haben noch gar nicht über die Zukunft gesprochen.“ – „Aber deiner Familie willst du ihn schon vorstellen? Was soll ich denn davon halten?“ wollte ihr Vater wissen. „Papa – ihr kennt ihn doch schon!“ versuche Cleo ihren Vater zu beschwichtigen. „Eben! – Also Kind mir gefällt das alles nicht. Ich werde das noch mit deiner Mutter besprechen.“ Jetzt hatte ihr Vater Zeit sich auf die Begegnung mit Alex vorzubereiten. Sie musste Alex unbedingt warnen. Hoffentlich gelang es ihrer Mutter Vater zu beruhigen. Cleo seufzte.
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„Aber ich glaube das war noch nicht alles Per – oder?“ seine Mutter klang gespannt. Per seufzte. Während Papa mit Cleo auf der Festnetzleitung sprach hatte ihn seine Mutter auf seinem Handy angerufen. „Was soll sein?“ er versuchte möglichst unschuldig und unbedarft zu klingen. „Ach ja – ich würde gerne noch jemanden einladen. Da Alex ja schon in gewisser Weise mit Cleo kommt, wollte ich Freddy einladen?“ – „Freddy? – Wer ist das auch ein Student?“ – „Wir sind in ein paar Seminaren zusammen.“ – „Was ist denn das für ein Typ – bedenke es sind noch ein paar Tanten und Onkel an Weihnachten bei uns. Und wenn du dann mit einem Freddy ankommst…“ die Stimme seiner Mutter vibrierte vor Spannung. Das Outing ihres Sohnes hatte sie sich schon subtiler vorgestellt. – „Ach Mama!“ Per lachte ob dem Versuch seiner Mutter möglichst entspannt zu wirken. „Freddy passt schon rein, sie ist sehr humorvoll – ein bisschen wie Tante Christina.“ Tante Christina war eigentlich die Halbschwester seiner Mutter, Ergebnis einer genussvollen Liaison von Cleos und Pers Großvater vor der Hochzeit. „Freddy ist eine SIE!?“ fragte seine Mutter enthusiastisch. „Klar kann sie kommen!“
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Am Abend saßen Freddy mit Per auf der Couch und Alex mit Cleo auf der Gästematratze und sahen in „Ist das Leben nicht schön?“ wie sich George Bailey das Leben nehmen will, aber von einem Engel gerettet wird. Nur das Licht des Weihnachtsbaumes und des Fernsehers erhellte das sonst so dunkle Wohnzimmer.

Auf dem Couchtisch stand eine riesen Schüssel Popcorn.

Freddy hatte ihren Kopf in den Schoß von Per gelegt. „Ach ja, ich habe Mutti gefragt – es ist ok, wenn ich am zweiten Feiertag bei euch bin.“ erklärte sie. „Prima! – Meine Mutter ist auch begeistert.“ – „Und dein Vater?“ – „Glaub mir, der hat noch mit Alex zu knapsen!“ Per grinste und Cleo warf ihrem Bruder einen mörderischen Blick zu. „Was?“ Alex blickte erstaunt von Bruder zu Schwester. „Na ja, ich konnte ihn schon etwas beruhigen, aber so ganz begeistert war er nicht.“ gab Cleo leicht entschuldigend zu. „Das ist ja ganz toll!“ er stöhnte auf. „So schlimm wird’s schon nicht werden.“ warf Per ein. „Das weißt du doch nicht!“ begehrte Cleo auf. „Doch ich weiß es – immerhin sind wir nicht unter uns sondern ein paar andere Verwandte sind anwesend und Mama ist auf deiner Seite.“ kam es von Per. „Echt? – Oh man – ich hoffe sie kann ihm zureden.“ – „Auf alle Fälle – du kennst doch unsere Mama.“

„Sollte mich das jetzt beruhigen?“ warf Alex skeptisch ein. Per grinste. „Kumpel – meine Mama wird dich lieben, sie ist eh schon begeistert von dir und wenn du noch eines ihrer Mädchen glücklich macht hat Papa keine Chance.“ – „Dein Wort in Gottes Ohr, dann habe ich nicht umsonst meiner Mutter den schrecklichsten Tag ihres Lebens beschert.“ er seufzte. So ganz beruhigt war er dann doch noch nicht.
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„Was sagen denn deine Eltern zu mir?“ wollte Freddy später wissen als sie mit Per eng umschlungen in seinem Bett lag. „Oh meine Mutter ist begeistert – ich glaube, sie war erleichtert, dass du eine Frau bist.“ er grinste. „Depp!“ Freddy knuffte ihn mit der Faust an die Schulter, nachdem er ihr erzählt hatte, wie er seine Mutter erst auf die falsche Fährte mit ihrem Spitznamen geführt hatte.

Er küsste sie. Es war wirklich gut, dass Freddy kein „er“ war.

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