Teil 16: 9 Tage vor Weihnachten

Cleo hatte wirklich kein Talent. Alexander musste es zugeben. Im Gegensatz zu Per, der schon ganz nett mit Freddy die leichten Hänge herab wedeln konnte, kam Cleo nicht über den Anfängerhügel hinaus. Nun ja, auch Lucas zeigte keinerlei Ambitionen und als Alex dann doch auch selber ein paar Pisten unsicher machen wollte, zogen sich Cleo und Lucas im stillen Einvernehmen zur Hütte zurück. Es war zumal sehr überraschend, dass Cleo und Lucas doch dazu überredet werden konnten, sich auf Skier zu stellen. Wenn man die Vehemenz betrachtet, mit der die beiden am Abend zuvor Skier für beide ein unmögliches Unterfangen war. Gegen Mittag beschlossen beide, den Skiern für den Rest ihres Lebens Lebewohl zu sagen. Genny und Alexander, die den fehlenden Fortschritt erlebt hatten, konnten diese Entscheidung nur unterstützen und schlossen sich wie sonst eben auf solchen Ausflügen zusammen um die härteren Pisten unsicher zu machen.
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Per folgte Freddy in langsamen Schwüngen. So dachte er zumindest. „Hey! – Werd‘ jetzt nur nicht übermütig!“ rief sie ihm zu. „Niemals! Es geht hier immerhin ums Skifahren.“ sprach er ernsthaft, freute sich aber sehr, dass es so gut ging. „Du stellst dich ja gar nicht so schlecht an.“ Freddy nickte ihm zu. „Nach Euren Andeutungen hatte ich es mir viel schimmer vorgestellt!“ – „Ich hatte eben nicht den richtigen Lehrer bzw. die richtige Lehrerin! – WOAAAHH!“ Er gewann an Geschwindigkeit und konnte die Schwünge nicht mehr halten und ließ sich in den Schnee fallen. „Per!“ rief Freddy leicht entsetzt. „Alles ok?“ Per hob immer noch im Schnee liegend den Kopf und schüttelte den Schnee ab bzw. aus seinem Mund. „Da hab ich den Mund wohl etwas zu voll genommen.“ – „Das kann man wohl sagen!“ Freddy lachte und half ihrem Freund die Skier wieder richtig zu koordinieren.
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Genny und Alexander erreichten die anderen zum späten Mittagessen. Lucas und Cleo hatten den ganzen Vormittag auf der Sonnenseite der Hütte am Tisch verbracht und hatten diesen reichlich gedeckt. Bzw. Lucas war gerade dabei Teller und Gläser hinzustellen. Cleo war nirgends zu sehen. „Na – geschafft?“ er grinste den beiden entgegen. Das kannst du wohl sagen – wer hätte gedacht, dass ich so außer Form bin!“ prustete Genny. „Ach wirklich? – Ist mir gar nicht aufgefallen?“ kam es unschuldig von Alexander. „Warst du schon immer so schnell?“ Genny war immer noch verblüfft. „Klar!“ er grinste. „Na ich glaube unser lieber Alex ist etwas beflügelt.“ Lucas grinste. „Halt den Mund!“ knurrte Alex, konnte es aber nicht vermeiden das er rot wurde. Genny lachte. „Wenn es nach dem ginge hätte ich doch eigentlich mithalten können. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich älter bin.“ – „Die zwei Monate machen’s aus.“ Alexander nickte ernsthaft. In diesem Augenblick trat Cleo aus der Hütte und hielt in einer Hand eine Karaffe mit Wasser. Sie lachte über etwas, was eine tiefe Männerstimme aus dem inneren der Hütte gesagt hatte und machte dann den Weg frei für einen jungen Mann, der ihr folgte. Dieser grinste freundlich in die Runde und winkte den Neuankömmlingen Genny und Alex zu.

„Das sind Genny und Alexander!“ Cleo deutete auf die beiden. „Und das ist H.-P.!“ sie grinste. Genny lächelte ihn freundlich an. „Ist das ein Spitzname?“ Der junge Mann lachte. „In gewisser Hinsicht ja. Ich habe meinen Namen von meinem Großvater und der passt nicht wirklich in die heutige Zeit.“ Genny sah ihn neugierig an. Er grinste zurück. „Entgegen der verbreiteten Annahme, dass das H.-P. für Hans-Peter steht, hatten meine Eltern die glorreiche Idee mich Hieronymus-Paulus zu nennen.“ – „Echt war?“ Genny sah ihn ungläubig an. Cleo nickte. „Ich konnte es zuerst auch nicht glauben! Aber dann hat H.-P. mir seinen Ausweis gezeigt.“ – „Den will ich sehen!“ rief Genny. „Leider nicht dabei.“ H.-P. zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Aber wie hast du ihn dann gesehen?“ Genny war verwirrt. „Na beim Vertrag!“ – „Welcher Vertrag?“ –„Mein Arbeitsvertrag! – H.-P. ist doch mein Chef! Nun ja, jetzt ist er noch nicht mein Chef, aber ab Januar wird er mein Chef sein!“
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Nachdem Per zum wiederholten Mal in den Schnee gestürzt ist hatte er dann doch keine Lust mehr. „Lass uns was essen! Ich kann schon kaum noch stehen!“ rief er Freddy zu. „Dann lass uns abfahren – Cleo und Lucas sind bestimmt schon bei Hütte oder eher immer noch! Oder willst du lieber den Lift nehmen?“ Freddy grinste breit. „Niemals! – Ich werde wedelnd untergehen!“ rief Per und stürzte sich Kopf nach vorne den Babyhügel hinunter. Freddy lachte und folgte ihm. Sie hatte auch schon Hunger.
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„…ich hatte eben Hunger!“ begehrte Cleo auf, als H.-P. seine Version des Bewerbungsgespräches wiedergab und von Cleos blumiger Ausführung berichtete. „Ich hoffe diese lehrt dich: lass sie nie hungern.“ Genny lachte H.-P. an. „Oh ja, ich weiß, ich werde in Zukunft immer dafür sorgen, dass meine Angestellten rechtzeitig Mittagspause machen können. Vor allem eine!“ dieser lachte in die Runde und ganz besonders sah er Cleo dabei an. Diese errötete leicht. „Was für meine Schwester immense wichtig ist!“ kam es von Per, der mit Freddy die Hütte erreicht hatte. „Wir hatten das gerade festgestellt, lieber Bruder!“ antwortete Cleo. „Das ist H.-P.!“ fügte sie noch hinzu. „Der Chef H.-P.? Oh!“ Per war erstaunt. „Genau! Ich bin Cleo und Lucas auf dem Rückweg über den Weg gelaufen…“ – „Und ob der immensen Menge unserer Vorräte und der Tatsache, dass ich nun doch nicht so viel Sport mache, wie geplant, haben wir ihn eingeladen.“ ergänzte Lucas. „Hey – ich bin Freddy!“ und reichte H.-P. die Hand. Per folgte ihrem Beispiel. „Das sieht ja einladen aus!“ Per zog seine Handschuhe aus und setzte sich mit Freddy an den großen Tisch zu den anderen. „Oh man! Habe ich einen HUNGER! Wie ist es eigentlich, wenn man besser Ski fahren kann? Hat man dann weniger Hunger?“ – „Leider nein!“ seufzte Genny, die in ein großes Sandwich biss – ihr zweites. Lucas lachte. „Wieso leider? – Jetzt weißt du endlich wie es mir immer geht!“ –„Ich glaube meine Taille will es gar nicht wissen.“ grummelte Genny. „Was ist mit deiner Taille? Ich finde sie entzückend!“ Lucas sah sie bewundernd an. „So was musst du ja sagen!“ lächelte Freddy süffisant. „Und ich meine es auch so!“ erklärte Lucas bestimmt. „Ach ist das süß!“ rief Cleo aus. „So einen Freund will ich auch!“sie seufzte und lachte. „Keine Sorge – wart mal bis du bei mir anfängst – da stehen alle Schlange!“ H.-P. grinste und legte den Arm um Cleo. „Jetzt weiß ich endlich warum ich den Job bekommen habe – wegen meines Aussehens.“ erklärte Cleo trocken. „Und weil du unheimlich talentiert und genau die Richtige für den Job bist.“ fügte H.-P. hinzu. „Du schmeichelst mir!“ Cleo lachte. „Klar! – Ich will ja, dass du es dir nicht anders überlegst.“ Er lächelte sie an.

„So – ich habe jetzt genug gefaulenzt!“ Alex, der ungewöhnlich schweigsam gewesen war, stand abrupt auf und nahm seine Handschuhe, Stirnband und Skibrille. „Jetzt schon?“ rief Genny mit vollem Mund. Er lachte. „Keine Sorge! Iss du nur zu ende. – Ich fahr auch allein. Bis später!“ Er winkte kurz in die Runde, drehte sich um und ging. Cleo sah ihm nach. „Erde an Cleo!“ rief Genny und wischte mit der Hand vor ihren Augen. Cleo blinzelte und sah sie fragend an. „Ich wollte wissen ob du noch Ski fahren willst?“ – „OH nein, ich bleibe hier – geht ihr nur los!“ – „Ich glaube ich bleibe auch hier!“ mischte sich Per ein. „Ein halber Tag ist genug – und dann könntest du auch mal richtig fahren.“ meinte er dann zu Freddy. „Quatsch! Ich bin gern mit dir unterwegs!“ wehrte diese ab. „Hey, dann können wir ja zusammen fahren!“ warf Genny ein. „H.-P. – kommst du mit?“ fragte sie dann weiter. Dieser nickte begeistert. „Gerne! Ich fahre ungern allein!“

„Dann bin ich wohl auch an die Hütte verbannt.“ Lucas grinste. „Und das tut dir leid, weil?“ erkundigte sich Genny neckend. „Ich von dir getrennt bin!“ erklärte dieser ernsthaft und küsste sie. „Charmeur!“ sie strahlte ihn an.
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Cleo stand am Spülbecken und wusch ab, während Per abtrocknete. Lucas döste auf der schmalen Couch vor sich hin. „Was war eigentlich mit Alex los?“ wollte sie dann wissen. „Wie? Was sollte mit ihm losgewesen sein?“ – „Ich weiß nicht – er hat kaum was gesagt…!“ – „Er wird müde gewesen sein!“ Per räumte abwesend die Gläser in den Hängeschrank. Energisch schüttelte Cleo den Kopf. „Nein, da war was anderes!“ warf sie dickköpfig ein. Per seufzte. „Dann frag‘ ihn doch, wenn er heute kommt!“ – „Danke! Das werde ich auch!“ sie schmollte. Eine Weile arbeiteten sie schweigend nebeneinander her. „Cleo?“ Per sah sie von der Seite an. „Ja?“ – Per räusperte sich. „Wie siehst du Alex?“ – „Per!“ Cleo lief rot an und sah ins Spülbecken als gäbe es nichts Wichtigeres. „Er ist dein WG-Kumpel!“ erklärte sie trotzig, als er nicht aufhörte sie anzusehen. „Du magst ihn immer noch!“ stellte Per fest. Cleo verfluchte ihn für seine Aufmerksamkeit während sie immer noch rot im Gesicht war und Tränen in ihre Augen traten. Sie sah hoch. „Vielleicht kannst du mir mal erklären, warum er erst so erpicht darauf ist, dass ich mitkomme und dann ignoriert er mich völlig?“ Per nahm sie in die Arme.
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„Alex! Warte doch!“ Genny fuhr so schnell sie konnte hinter ihm her. Sie fluchte. Hoffentlich war Freddy nicht sauer, als sie so schnell abgefahren war. Aber dazu war es jetzt zu spät. Endlich hatte sie ihn erreicht. „Genny?“ er sah sie erstaunt an, als sie ihn erreicht hatte und hielt an. „Oh man! – Du hast vielleicht ein Tempo drauf!“ sie schnaufte und stützte sich auf ihre Skistöcke. Er lächelte. „Wieso bist du so plötzlich gegangen?“ – „Weil ich Skifahren wollte? Dazu sind wir ja hier?“ – „Quatsch!“ Genny winkte ab. „Das kannst du deiner Großmutter erzählen!“ Sie sah ihm fest in die Augen. Er konnte ihrem Blick nicht standhalten und sah beiseite. Er musste blinzeln. Dann lies er den Kopf hängen. „Alex – sprich mit ihr!“ – „Ach ja?“ er lachte höhnisch auf. „Und was ist mit diesem Typen?“ – „Welchem Typen?“ Genny sah ihn verwirrt an. „Der, der sie heute so hofiert hatte und den sie so angestrahlt hatte!“ Sie lachte laut auf. „Oh Alex –nein!“ – „Was ist denn so komisch daran?“ er sah sie verblüfft an. „Du bist ja eifersüchtig!“ neckte sie ihn. „Quatsch!“ er errötete. Sie legte tröstend ihre Hand auf seine Schultern. „Alex! – Sprich mit ihr!“ Er seufzte. „Wenn du meinst?“ – „Ich meine es!“ erklärte Genny und nicke bestimmt.
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Cleo und Alex lagen beide noch lange nebeneinander den Rücken einander zugekehrt wach im Lager, aber ohne, das der eine mit dem anderen sprach.

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