Teil 20: 5 Tage vor Weihnachten

Die beiden Jungs standen jeder in einer von Alexanders schmutzigen Arbeitsschürzen am Küchentisch. Cleo und Freddy befanden jene Schürzen als besonders geeignet, da sie eh schon schmutzig waren und gewaschen werden mussten. Beide versuchten kleine bunte Zuckerkugeln auf die bereits gebackenen Plätzchen zu verteilen. Was gar nicht so einfach war. Erstens war in der Küche kaum Platz, allein das Blech bedeckte den ganzen Küchentisch. Beide mussten die Schüsseln mit den Kugeln zwischen die Beine klemmen. Per hatte es schon mehrmals fertig gebracht die Schüssel samt Inhalt auf den Boden zu manövrieren. Unter lautstarkem Kommentaren. Cleo und Freddy waren gerade dabei auf der kleinen Arbeitsfläche gekonnt Teig auszurollen und Plätzchen auszustechen.

„Ihr wisst schon, dass wir noch Zuckerkugeln brauchen?“ wollte Freddy wissen, die beobachtete wie Alex und Per diese wiederholt eifrig nicht nur auf die Plätzchen sondern auch in ihre Münder verteilten. „Es sind doch eh noch so viele!“ erklärte Per. „Ach ja?“ Freddy griff prüfend in Pers Seite, dieser zuckte zusammen und die Schüssel fiel zum wiederholten Male auf den Boden. „Shit!“. Alex und Cleo lachten als Per nun verzweifelt auf dem Boden die Zuckerkugeln aufwischte. „Ha ha! Das kommt davon.“ Alex lachte höhnisch auf. „Wo sind die ganzen Plätzchen hin?“ wollte Cleo wissen, als sie prüfend in die Schüssel bei Alex sah. Verschämt sah er zu Boden. „Sie sind wohl da drin?“ Cleo griff ihn an den Bauch. Er küsste sie. „Lenk nicht ab!“ vorwurfsvoll sah sie ihn an. „Würde mir nicht im Traum einfallen!“ er klang aufrichtig. Cleo blieb skeptisch und dann fiel ihr ein wie sie ihn ärgern konnte. Sie sah ihn erst ins Gesicht und dann auf den Bauch. „Hm – nun ja, man sieht schon wo sie hin sind.“ und drehte sich ernst ihrer Arbeit wieder zu. Alex sah perplex auf seinen Bauch und dann irritiert zu seiner Freundin. „Ich habe nicht zugenommen?!“ – „Noch nicht – aber…“ sie schwieg. „Quatsch!“ wehrte er ab, wirkte aber nicht mehr ganz so selbstsicher wie zuvor. Per lachte und Freddy zeigte Cleo den Daumen nach oben. Alexander grummelte vor sich hin. „Wenn man euch als Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr.“ – „Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich selber schützen!“ fügte Cleo feierlich hinzu. „Du sollst nicht so oft in die Kirche gehen – das ist schädlich für dein Wohlbefinden liebe Schwester!“ mischte sich Per nun ein. „Ich bin grad dreimal im Jahr in der Kirche – zu Ostern, im Advent und an Weihnachten!“ verteidigte diese sich. „Ich find‘ es schön wenn man alte Traditionen wieder aufleben lässt!“ sprang Freddy Cleo zu Hilfe. „Das hätte ich mir ja denken können, dass ihr Frauen wieder mal zusammenhaltet!“ beschwerte sich Per. Cleo ließ ein ungläubiges Prusten hören: „Ach – ihr Männer haltet nicht zusammen? – Ich sage nur Krabbeltisch!“

„Krabbeltisch?“ Alexander warf einen fragenden Blick zwischen Per und Cleo hin und her. „Und das soll mir was genau sagen?“ Alex verstand immer noch nicht. „Es gibt da einen Film, ich weiß den Titel leider nicht mehr, aber da findet eine Frau einen Slip von einer anderen Frau und der Mann behauptet er hätte ihn von einem dieser Krabbeltische im Kaufhaus und die Frau ruft dort an und der dortige Angestellte ist eben ein Mann und bestätigt ohne zu fragen die Lüge.“ – „AHA!“ er nickte nicht überzeugt und schüttelte den Kopf. „Ah den hab ich neulich erst gesehen – der ist gut. Ich glaube, da spielt Selma Blair mit – stimmt’s?“ warf Freddy ein. „Genau!“ kam es von Cleo.
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„Brüderlein – du bist peinlich!“ rief Cleo, als sie die Küche betrat in der Freddy und ihr Freund eigentlich den Abwasch erledigen wollten, aber sie beide in inniger Umarmung vorfand. „Cleo sei doch nicht so!“ begehrte Per auf. „Wir sehen uns immerhin lange nicht mehr!“ – „Von wegen! – Es sind grad mal drei Tage und wir haben noch vier Tage bis dahin!“ Cleo wischte die Bemerkung mit einer Handbewegung beiseite. „Und DAS von dir Schwester – ich bin enttäuscht! Was sagt dein Freund denn dazu?“ – „Der sieht das Ganze auch viel entspannter.“ kam es trocken von Cleo zurück. „Aber lasst euch nicht stören.“ sie grinste und stellte eine leere Schüssel in die Spüle. „Habt ihr sie schon aufgegessen?“ Freddy blickte entsetzt. „Hey ich habe da einen Marathonesser bei mir im Wohnzimmer! – Das sind doch kleine Fische für ihn.“ Cleo zwinkerte beiden zu und verließ die Küche.

Freddy blickte Cleo ungläubig nach und schüttelte den Kopf. „Ich mag deine Schwester wirklich gerne, aber irgendwie …“ begann sie zögernd. „Wart nur ab bis du Finny kennen lernst – die ist noch schlimmer. Beide sind extreme Freigeister- kein Wunder bei Mamas Erziehung.“ – „Gut dass du so anders bist – ich glaube, das könnte ich nicht!“ Freddy schüttelte den Kopf. „Keine Sorge! Ich schlage da eher nach meinem Vater – er ist eher der altmodische Typ.“ er zwinkerte ihr zu. „Ach?“ – „Ja – du weißt schon: Frau bleibt zu Hause, kümmert sich um den Haushalt und die Kinder und reicht dem liebevollen Ehemann die Pantoffeln wenn er müde von der Arbeit heimkommt.“ – „Du weißt schon, dass der liebevolle Ehemann in solchen Szenarien meistens in einer Bank oder Versicherung arbeitet?“ –„Dann kann ich ja jede Hoffnung begraben?“ kam es trocken von Per. „ Lass mich dich trösten!“ Freddy legte ihre Arme um ihn. „Schade dass ihr hier keinen Mistelzweig hängen habt.“ sie zwinkerte ihm zu. „Wir können ja so tun als hätten wir einen.“ flüsterte er an ihr Ohr als er ihre Umarmung erwiderte.
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Cleo ließ sich neben Alexander auf die Couch nieder. Sie schüttelte den Kopf. „Alles ok?“ er warf ihr kurz einen Blick von der Seite zu. „Sie küssen sich – schon wieder!“ sie klang ungläubig. Er lachte leicht. „Nun ja, sie sind ja frisch verliebt!“ er winkte großzügig ab und legte ihr den Arm um die Schulter. „Aber deswegen müssen sie sich doch nicht ständig die Zunge in den Mund stecken. Wir machen das ja auch nicht!“ sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und schmollte. Er grinste. „Nun – was nicht ist kann ja noch werden.“ er beugte sich zu ihr herunter. Vorwurfsvoll sah sie ihn an. „Du nimmst das nicht ernst!“ Seufzend lehnte er sich wieder zurück und zog den Arm von ihrer Schulter. „Per ist erwachsen – Cleo! Er weiß schon was er tut.“ – „Das glaube ich nicht!“ beharrte sie stur. „Gerade steht er da mit – mit jemand völlig wildfremdem in der Küche!“ – „Na so wildfremd ist sie nun auch wieder nicht.“ –„Wie oft hat er sie denn schon gesehen? Ein paar Mal im Seminar? Bei Tony’s? – Das ist nicht oft!“ sie blieb dabei und zog die Stirn in Falten. „Ganz wie du meinst – Mum!“ und wandte sich dann wieder dem Film zu.
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„Es ist so ruhig!“ bemerkte Cleo kurze Zeit später. Alex verdrehe die Augen und Cleo gab vor dies nicht zu sehen, obwohl sie sich darüber ärgerte. „Vielleicht sind sie in seinem Zimmer?“ meinte er dann. „WAS?!“ – „CLEO! – Setz dich wieder in!“ rief er ihr zu. „Aber ich muss doch…!“ sie drehte sich um, sie war schon an der Tür. „Nein!“ erklärte er bestimmt. „Ich lass meine Freundin sich nicht zum Narren machen.“ – „So ein Quatsch! – Ich mach mich bestimmt nicht zum Narren…“ – „Ach nein? – Und wie würdest du es beschreiben, wenn eine 24-jährige zu ihrem 22-jährigen Bruder ins Zimmer stürmt, wenn dieser sich dort mit seiner Freundin trifft?“ – „Besorgt?“ sie konnte nicht nachgeben, noch nicht, auch wenn sie zu realisieren begann, sich doch ein winziges kleines bisschen lächerlich zu machen. Er stand auf und ergriff mit beiden Händen ihre Schulter und zog sie von der Tür weg. Dabei verlor Cleo das Gleichgewicht und fiel nach vorne, wurde aber gerade noch durch Alex aufgehalten. Reflexartig wand er seine Arme um sie und just in diesem Moment, als beide in enger Umarmung da standen wurde die Tür geöffnet und Per mit Freddy betrat den Raum. „Wir gehen n…“ er unterbrach sich als er seine Schwester und seinen WG-Kumpel in vermeintlich enger Umarmung sah. „Was macht ihr da?“ fragte er und zog die Stirn kraus. Ohne zu zögern ging er auf beide zu und öffnete gewaltsam die Hände von Alexander um seine Schwester. „Cleo! – Was soll das?“ fragte er ernst und laut. „Was, heißt das ,Was soll das‘? – Was Alexander und ich machen geht dich nichts an lieber Bruder.“ – „Oh das glaub ich aber schon!“ erklärte dieser. „Was glaubst du, was unser Vater dazu sagen würde?!“ er funkelte sie an. „Ich bin alt genug meine eigenen Entscheidungen zu treffen!“ begehrte Cleo auf und funkelte ebenso zurück. Alexander lachte trocken auf und grinste breit. Beide Geschwister wandten sich ihm ungläubig zu. „Was seid ihr nur für eine Familie!“ rief er aus. „Was ist denn bitte dran so witzig?“ wollte Per ungeduldig wissen. Alex grinste, falls dies überhaupt noch möglich war – noch breiter. „Oh – ich glaube deine Schwester weiß genau was ich meine.“ erklärte er unschuldig und sah Cleo direkt in die Augen. Cleo wurde knallrot. Sie wandte sich Per zu und fragte dann: „Was wolltest du eigentlich?“ – „Ich wollte nur sagen, dass wir in mein Zimmer gehen – und weil ihr fast die ganzen Plätzchen gegessen habt, nehmen wir die anderen mit.“ – „Einen schönen Abend!“ wünschte Alexander freundlich. Verwirrt sah Per ihn an. Er wirkte richtig entspannt und gut gelaunt, eher extrem amüsiert. „Danke gleichfalls.“ meinte Freddy, die sich während der Szene im Hintergrund gehalten hatte und griff nun Per am Arm und bugsierte sie ihn raus. „Raus hier – du hast schon genug gesagt.“

„Oh mein Gott!“ rief Cleo aus und schlug die Hände vor ihr Gesicht. „Genau! – Oh mein Gott! ist genau richtig.“ ihr Freund stimmte ihr zu, legte einen Arm um ihre Schulter um sie zu trösten und führte sie zur Couch. Verzweifelt sah sie ihn an. „Ich hab mich vorher genau so verhalten wollen – Per hat genau das gesagt, was ich ihm auch sagen wollte – wir sind furchtbare WG-Partner.“ – „Aber gar nicht – ihr seid wirklich sehr unterhaltsam. Aber wenn du wirklich Abbitte leisten willst –ich weiß genau wie du dich entschuldigen kannst.“ er zwinkerte ihr zu. Skeptisch sah sie ihn an. Er lachte. Sie schüttelte den Kopf. Dann beugte er sich langsam zu ihr herunter und küsste sie.
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Per und Freddy lagen eng umschlungen im Bett. „Oh mein Gott! – Ich bin ein echter Idiot!“ rief Per. „Dem kann ich nicht widersprechen!“ erklärte Freddy trocken. „Wenn ich jemals wieder so einen Bullshit von mir gebe – schlag mich bitte!“ – „Gerne!“ sie zwinkerte ihm zu. „Ich bin froh, dass ich dich habe.“ erklärte Per. „Dito!“ Und Freddy küsste ihn.

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