Der kleine Zauberer Teil 18

Daniel stellte sich vor, wie sich langsam das Seil um die Füße des alten Zauberers wickelte, ohne dass dieser etwas merkte. Der Zauberer wurde immer noch durch den König abgelenkt. Dieser versuchte verzweifelt nicht seinen Blick vom Gesicht des alten Zauberers  - denn mehr war er nicht mehr für ihn – abzuwenden.

 

Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn dieser bemerkte, wie sich das Seil um seine Beine gewunden hatte. Noch nie in seinem Leben war er so dankbar darüber, dass Alex seine Sachen ständig in der ganzen Wohnung verteilte.

 

 

Der junge Zauberer konzentrierte sich und langsam, ganz langsam bewegte sich das Seil wie eine Schlange über den Boden. Daniel konnte sich keine andere Art und Weise vorstellen, wie sich ein Seil sonst bewegen sollte. Aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

 

 

„Nun? Euer Majestät?“, kam es neckend vom alten Zauberer. „Habt Ihr Euch schon entschieden?“, gackernd wie ein Huhn wandte er sich an den König. Der Zauberer stützte sich auf den Stock und es sah aus, als ob er sich auf den König zubewegen sollte.

 

Kurzentschlossen stand der König auf und trat auf den alten Mann zu. „Ja, das habe ich!“, er holte tief Luft. Aus den Augenwinkeln sah der König, wie sich Daniel bewegte. Auch der Zauberer hatte es bemerkt und drehte sich um.  Vielmehr wollte er sich umdrehen. Doch das Seil war schon um seine Knöchel geschlungen und mit jedem Schritt, auch wenn es nur wenige kleine waren, zog sich das Seil immer fester. „Jetzt!“, rief Daniel und der König sprang  vor und rammte den Zauberer, dieser fiel über seine Beine und in das Nebelfeld. Daniel hob beide Hände und schleuderte blau-grüne Blitze gegen den Körper des Zauberers. Diese drangen dann weiter, über den Körper in das Nebelfeld ein und das Nebelfeld kollabierte von innen. Der König ergriff seinen Sohn und stellte ihn hinter sich. Wütend und mit einer kurzen Handbewegung, befreite der alte Zauberer seine Füße von dem Seil.

 

„Du!!!“, brüllte er und stand auf. Dann ging er bedrohlich auf Daniel zu. „Wie kannst du es wagen?“

Der junge Zauberer zuckte leicht zusammen, stellte sich aber trotzdem breitbeinig dem alten Mann entgegen. „Du hast meinen Freund gefangen gehalten!“, rief der Junge. Der alte Zauberer hob seine Hand und wollte schon einen Energieball auf Daniel schleudern.

 

Daniel dachte kurz nach. Er war vielleicht nicht stärker als der Zauberer, aber der Sessel, hinter dem König und Alex, war sicher stark genug, den alten Mann, der sich auch beim Zaubern auf den Stock stützen musste, umzuwerfen. Sein Meister, der auch sehr alt war, hatte noch keinen Stock benutzt, geschweige denn um sich darauf zu stützen. Daniel konzentrierte sich. Bloß gut, dass er sich schon auf das Seil mit seiner Magie konzentriert hatte. So hatte er sich doch greifbar. Und der Sessel schwang in die Luft und raste auf den alten Zauberer zu. Der König hob Alex auf seinen Arm und sprang auf die Seite.

 

 

Kaum hatte Daniel den Sessel durch die Luft bewegt, sprang er auch auf die Seite. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Sessel genau an der Stelle zu Boden fiel, an der Daniel kurz zuvor noch gestanden hatte. Doch der alte Zauberer wurde genau getroffen und durch die Wucht des Aufpralles durch den Sessel quer durch das ganze Wohnzimmer geschleudert. Dort blieb er regungslos auf dem Boden liegen. Zögernd traten Daniel, der König und Alex näher. Gespannt beobachteten sie den reglosen Körper, der langsam immer durchsichtiger wurde und sich dann auflöste.

 

Alle stießen einen Seufzer der Erleichterung aus. „Jetzt können wir zurück!“, stellte der König fest. Der junge Zauberer nickte und lachte. Auch Alex sah fröhlich vor sich hin. Endlich würde er all die Leute kennenlernen, von denen Daniel immer erzählt hatte.

 

Epilog

 

Daniel und der König wurden von einer vor Freude überschäumenden Mergaan am Tor empfangen. Auch Alex stellte fest, dass Mergaan einen alten Hals hatte. Der König wollte sich schon entschuldigen, war aber sehr erleichtert, dass Mergaan es ihm keineswegs über zu nehmen schien, sondern ihm einfach recht gab.

Der Meister war auch sehr froh, dass sein junger Schüler wieder unbeschadet und reifer, aber kein bisschen anders zurück war.

 

Und im ganzen Land wurde die Rückkehr des Königs und seines Sohnes gefeiert! Ebenso, wie unseren junge Zauberer, der eben jene Rückkehr überhaupt erst möglich gemacht hatte.

 

Der König gewöhnte sich bald an die offene und freundliche Art, die ihm und seinen Sohn entgegengebracht wurde. Vergaß es aber nie, es als nicht selbstverständlich hinzunehmen.

 

Daniel und Alexander blieben bis ins hohe Alter dicke Freunde.

 

Eigentlich würde hier der Satz: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ hinpassen, aber es ist kein Märchen. Deswegen verlassen wir unseren jungen Zauberer, als er sich auf der Willkommensfeier ihm zu Ehren auf seinen Baum zurück zog und das Geschehen von oben betrachtete.

Zusätzliche Informationen