Leben im Fluß: 2. Hallo Mädchen Patricia

Während Patricia noch so traurig auf dem Stein im Fluss sitzt und weint bemerkt sie nicht, dass ein kleinerer Fisch als der vorherige sie in einiger Entfernung beobachtet und langsam, ohne seine Deckung zu vernachlässigen, auf sie zu schwimmt.

 

Langsam hat sich der Fisch Patricia angenähert und kann sie schon fast mit seinem Maul an stupsen, als Patricia die Hände von den verweinten Augen nimmt und direkt dem Fisch ins Gesicht blickt.

 

Beide, der Fisch und Patricia, erschrecken sich so sehr, dass beide laut im Wasser losschreien, Wasserblasen aufsteigen und der Fisch verschwindet wieder in eine kleine Uferböschung von der Gras ins Wasser hängt. Patricia kauert sich hinter dem Stein, auf dem sie eben noch gesessen hat, zusammen und hebt nur langsam den Kopf um über den Stein in Richtung Fisch zu schauen. Durch das Gras, welches im Wasser durch die fließenden Bewegungen des Flusses, hin und her schwebt, kann sie den Fisch näher erkennen. Das Licht, welches durch die Wasseroberfläche einfällt ist es auch recht hell. Es muss noch ein junger Fisch sein, wie sie an dem Glanz in seinen Augen erkennen kann. Er ist ganz schlank und hat kein so großes Maul wie der Fisch, der Rübe gestohlen hat. Patricia beschließt ihren ganzen Mut, den sie als 6-jährige zur Verfügung hat, herzunehmen und den ersten Schritt auf den Fisch zu zu machen. Auch in diesem Moment bewegt sich der Fisch langsam auf Patricia zu. Beide trauen einander noch nicht und bewegen sich im Kreis umeinander rum. „Wer bist Du?“ fragt Patricia den Fisch. „Peter!“ antwortet der Fisch. „Was für ein Fisch bist DU?“ fragt Peter. „Ich bin doch kein Fisch!“ wundert sich Patricia. „Ich bin ein Mädchen.“

 

Patricia bleibt nun stehen und der Fisch schwimmt langsam näher, bis er kurz vor Patricia im Wasser steht und an ihr herumschnüffelt. „Du riechst nicht wie ein Fisch und auch  nicht wie etwas, was ich schon mal gerochen habe.“  – „Hallo Peter“, sagt Patricia, der einfällt, dass sie ihn noch nicht begrüßt hat und da sagt ihre Mama doch immer, dass man die Leute immer grüßen soll. Wobei Patricia sich nicht sicher ist, ob es bei Fischen auch so ist. „ ich heiße Patricia.“ – „Hallo Mädchen Patricia!“

 

Neugierig musterte Peter seine neue Bekanntschaft. „Was für ein Fisch bist du?“ fragt Patricia. „Ich bin eine Forelle.“ antwortet Peter. „Warum weinst Du denn so schrecklich?“ will er nun wissen. Da fällt Patricia alles ein und sie erzählt unter Tränen Peter alles, wie sie und Rübe ahnungslos am Fluss gespielt hatten und dann dieser große Fisch mit dem großen Maul  gekommen ist und Rübe entführt hat. „Oh je oh je!“ jammert Peter. „Das war bestimmt Oberst Zorteck, die rechte Hand von Master Bleck!“ – „Wer ist Oberst Zortek und Master Bleck?“ will Patricia wissen. Auch sie flüstert und beide haben sich in der Uferböschung zusammengekauert.

 

Peter reißt die Augen auf, insoweit das bei einem Fisch noch möglich ist und flüstert Patricia nachdem er sich zuerst nach rechts und links vergewissert hatte, das keiner zuhört,  zu: „Oberst Zortek und Master Bleck sind ein Wels und ein Hecht – sehr böse und sehr gerissen und wollen die Flussherrschaft an sich reißen. Die Flusskrebse sind auf ihrer Seite und sie fangen immer unschuldige Fische und Dinge um die Sammlung von Master Bleck zu erweitern. Ich befürchte“  Peter seufzt besorgt  „Rübe ist nun unter dem großen Rauschen gefangen!“ Patricia schreit vor Schreck auf. Ihr armer Rübe, ihr guter Freund – wie wird er sich in dem kalten Verließ fürchten. „Peter!“ ruft sie und springt auf. „Sag mir wo das große Rauschen ist. Ich muss Rübe da raus holen!“

 

Patricia steht so da, als ob sie gleich losgehen will. Peter ruft sie zurück und mahnt, dass es für sie alleine doch viel zu gefährlich ist. Sie ist zwar ein großer Fisch – er glaubt, dass ‚Mädchen‘ nur eine andere Art von Fisch ist, wie er als Forelle auch eine Art Fisch ist – aber schwimmt sie doch zu ungelenk und auffällig. Alleine, so meint Peter, könne sie das gar nicht schaffen.  „Aber ich kann Rübe doch nicht im Stich lassen!“ jammert sie. „Das sollst Du auch gar nicht. Ich glaube wir kennen uns mit Oberst Zortek und Master Bleck besser aus. Ich werde Dich zu meinen Freunden mitnehmen.“ Sprach‘s und tippte Patricia mit seiner Flosse an ihm zu folgen. Langsam schwamm nun Peter los und Patricia folgte ihm ungelenk. Sie konnte wirklich noch nicht gut schwimmen, gar zum Vergleich mit einem Fisch. Auf dem Weg zu seinen Freunden erzählte Peter Patricia einiges über Oberst Zortek und Master Bleck.

 

Oberst Zortek ist gar nicht so schlimm, nur sehr groß und eigentlich wollte Oberst Zortek die Macht an sich reißen, doch Master Bleck, ein Hecht, hat ihn überzeugen können, dass er, Master Bleck, doch besser dafür geeignet ist. Oberst Zortek ist zwar groß aber dumm.

 

Bald erreichen die Forelle Peter und das Mädchen Patricia eine kleine Flusslichtung, der Fluss fließt gerade durch eine etwas hellere Stelle im Wald, die etwas breiter ist und mit einigen Schling und Wasserpflanzen durchwachsen. Es ist eine schöne Lichtung. Patricia beobachtet fasziniert, wie sich das Licht von oberhalb des Wassers in der Fläche bricht. Auch beobachtet sie, wie ruhig am Boden des Flusses das Wasser fließt. Von oben hat der Fluss immer wilder gewirkt.

 

Patricias Forellenfreund schwimmt langsam – so dass sie ihm leicht folgen kann – auf einen großen ausgehölten Stein zu. Bei diesem angekommen ruft er in die Öffnung hinein. Das Mädchen muss nicht lange warten und drei weitere Fische schwimmen auf sie zu.

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