Auf der Suche nach Weihnachten: 2. Dezember
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- Geschrieben von Susanne
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2. Eric
Seine Wohnung lag im dritten Stock. Durch die Kuriosität der Architektur hatte er einen großen Balkon. Die Wohnung in dem Haus gegenüber der seinen hatte auch einen großen Balkon.
Beide Balkone waren sogar so groß, dass sie über der Straße, die zwischen den Häusern lagen, aneinander stießen. Weitere kuriose Weise hatten die Vormieter in seiner Wohnung und in der Wohnung gegenüber der seinen die Balkonbalustrade entfernt und einen großen Balkon daraus gemacht.
Wenn er gewollt hätte, hätte er also einfach aus der Balkontür auf seinen Balkon und einfach zu der Wohnung gegenüber gehen können.
Aber das tat man ja nicht.
Nachdenklich sah er in die Wohnung gegenüber. Erst hatte da ein junges Paar zusammen darin gewohnt. Es war langweilig. Klar war die Eigenheit der Wohnung, dass sämtliche Zimmer in einer Reihe aneinandergereiht waren. Erst Schlafzimmer, dann Bad, dann Wohnzimmer und dann Küche. Genau wie bei ihm. Anders aber war, dass seit einigen Tagen nur die junge Frau in der Wohnung zu leben schien. In einer Wohnung ohne Möbel.
Er saß gerade am Küchentisch und trank seinen Kaffee. Eigentlich durfte er keinen Kaffee trinken, hatte zumindest sein Arzt ihm gesagt. Na ja, sein Arzt meinte er dürfe wohl keine zehn bis fünfzehn Tassen am Tag trinken und schwarz schon gleich gar nicht – aber so eine kleine Tasse Kaffee? Also im Vergleich zu sonst würde eine Tasse gar nicht ins Gewicht fallen. Oder? Sie würde zumindest das starke Zittern seiner Hände beruhigen. Hoffte er zumindest.
Dann viel sein Blick in die Küche gegenüber. Sie war wieder da. Den ganzen Vormittag war sie verschwunden. Erstaunt sah er sie an. Das Kostüm stand ihr gut. Schwarzer Rock, schwarzer Blazer und feuerrote lockige Haare über intelligent blitzenden dunkelblauen Augen. Bestimmt wäre sie im Mittelalter als Hexe verbrannt worden.
Hatten rothaarige eigentlich blaue Augen? Komisch! Er stand auf, nahm seine Tasse und ging in sein Wohnzimmer an seinen Schreibtisch. Setzte sich an den Computer und machte sich an die Arbeit. Sein Kunde wartete schon seit gestern auf die Fertigstellung seiner Arbeit, aber irgendwie war er nie zufrieden damit.
Warum musste es nur Kunden geben? Wie schön wäre das Leben ohne nörgelnde unzufriedene Menschen, die es erst so wollten und dann doch anders, sich aber ärgerten, das man nicht selber darauf gekommen war und wenn man es von vornherein anders machte, dann wollte sie es doch so haben, wie ursprünglich ausgemacht.
Ach ja – Kunden zahlten Geld für seine Arbeit, damit er sich wieder vielen Kaffee leisten konnte, den er nicht mehr trinken durfte.
Das Leben war einfach unfair.
