Leben im Fluss: 1. Eltern sind doof

„Eltern sind so doof!“ Patricia sitzt in ihrem Zimmer auf ihrem Bett und spricht mit ihrem Stoffhasen Rübe. Rübe heißt so, weil Hasen eben gerne Rüben essen.  Patricia, ein kleines Mädchen von 6 Jahren, zwei kleinen roten Zöpfen und genauso vielen Sommersprossen auf der Nase wie Ideen in ihrem Kopf, sitzt in ihrem Zimmer auf dem Bett mit der Hasenbettwäsche. Der Stoffhase Rübe, Patricias bester Freund und Leidensgenosse, nickt mit dem großen braunen Hasenkopf mitfühlend. Das eine lange Ohr und das andere kurze Ohr wackeln lustig hin und her.

Das eine kurze Ohr  wurde Opfer einer von Patricias Ideen, sie hatte sich gefragt ob nicht Ohren wie Haare einfach nachwachsen. Mama war ganz schön sauer als sie die Wunde wieder nähen musste. War doch Rübe ein Geschenk von Oma und Oma legt großen Wert darauf, dass man mit ihren Sachen sorgsam umging. Auuch wenn die Dinge dann ja nicht mehr Omas  Sachen waren, wenn sie erst mal her geschenkt wurden. Patricia entfuhr ein kleines Lächeln. Draußen hört Patricia ihre Mama mit Tante Ruth sprechen.

Tante Ruth ist eigentlich nicht ihre richtige Tante. Ruth ist die beste Freundin ihrer Mama. Patricia nannte sie nur Tante weil sie liebend gern so eine Tante wollte aber leider nur Onkel hatte und die waren nicht verheiratet. Patricia fragte sich zwar immer, was heiraten mit Tante-haben zu tun hatte, Lucie, ein gleichaltriges Mädchen in Patricias Klasse,  hatte ja auch Tanten ohne Onkel. Es war zu dumm, aber es gab ja Ruth. Jedenfalls, Patricia wusste, dass sie das Hauptthema dieses Telefonats war und dass Mama und Tante Ruth lange miteinander reden würden und es besser ist, wenn Patricia die beiden nicht stören würde um noch mehr Ärger zu vermeiden. Aber sie konnte nun wirklich nichts dafür, dass der doofe Stein, mit dem sie Nüsse vom Baum schießen wollte, einfach wieder runterfiel und in die Heckscheibe von Papas Auto fiel. Hatte ihr ja keiner gesagt, dass Steine gerne in Heckscheiben von Autos fallen.  Und Papa sollte sein Auto dann nicht in der Nähe von  Steinen parken, wenn er Angst um seine Heckscheibe hatte.

 

Also beschloss das Mädchen mit Rübe einen kleinen Ausflug zu machen.

 

Es hat schon so seine Vorteile, wenn man in einer Wohnung im Erdgeschoss wohnt. Es kam nicht oft vor, dass Patricia so dachte. Sie wollte viel lieber, wie ihr Schulfreund Benedickt, unterm Dach neben den Dachkammern wohnen. Dort konnte man wundervolle Geheimnisse erkunden. Nur leider durften sie, nachdem sie einmal die ganzen Weihnachtskugeln als Kanonenkugeln gegen den bösen Piraten Durk verwendetet hatten nicht mehr in Benedickt Zimmer spielen. „Das Mädchen hat einfach zu viel Fantasie!“ hatte Papa dann geseufzt als er Patricia abgeholt hatte und die Mama von Benedickt ihm alles erzählt hatte. Was ja auch stimmte, die besten Spiele waren immer die, die Patricia sich ausdachte.

 

Also machte sich Patricia auf, durch das Fenster mit Rübe in seinem neuen grünen Pullover – den hatte Oma ihm gestrickt – hinaus in das kleine Wäldchen, welches sich direkt neben dem Haus in dem Patricia mit ihren Eltern lebte erstreckte. In diesem Wald gab es immer viel zu entdecken. Seit sie nicht mehr in Benedickts Zimmer spielen durften hielten sie sich sehr oft dort auf. Und Tannenzapfen eignen sich ganz vorzüglich als Kanonenkugeln. Wenn man sie fest genug an einen Baum warf, machten sie noch schönere Geräusche als die Christbaumkugeln gegen die Wand.

 

Durch diesen Wald floss ein kleiner aber tiefer und kräftiger Fluss. Patricia und Rübe spielen: Wer traut sich am nächsten hin! Es ist ein gefährliches Spiel, da Rübe kaum und Patricia noch nicht richtig schwimmen konnte. Aber im nächsten Winter soll sie im Schwimmbad einen Schwimmkurs machen. Doch leider passen die beiden beim Spielen nicht genau auf und ahnen nicht, dass sie aus dem Wasser von großen Augen über einem großen Maul beobachtet werden.

 

Als Rübe wieder mal kurz vor Patricia war, kann Patricia nur noch kurz eine schnelle Bewegung aus dem Wasser wahrnehmen und ein großer Fisch packte Rübe an seinem Hasenbein mit dem Flicken – Rübe wollte Stunthase werden und hat sich an das Dreirad von Patricia gebunden und sich von ihr über den Kies ziehen lassen -und zog ihn ins Wasser. Patricia, zögert nicht lange und greift nach dem Arm von Rübe. Doch leider ist sie nicht schnell genug. Und der Fisch und Rübe verschwinden. Patricia springt hinterher und will den Fisch mit Rübe im Maul weiter verfolgen. Es war ein großer Fisch. Der muss doch zu sehen sein?

 

So schnell sie kann schwimmt Patricia dem Fisch hinterher. Doch der Fisch ist zu schnell für sie und schon bald hat Patricia den Fisch und Rübe aus den Augen verloren. Sie schwimmt noch mal hier hin und dorthin, findet aber leider keine Hinweise wohin der Fisch verschwunden sein könnte.

 

Patricia ist so verzweifelt über den Verlust von Rübe und müde vor der vielen Schwimmerei, dass sie sich müde auf einen Stein setzt und hilflos vor sich hin weint.

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