Auf der Suche nach Weihnachten: 1. Dezember

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SchwachSuper 

1.Filomena

Sie trat aus dem Gericht und blieb einen Augenblick stehen. Ihr Blick schweifte die Treppenflut hinab auf den großen Platz. Sie seufzte erleichtert auf. 

Dachte sie zumindest. Musste sie nicht erleichtert sein? Jeder ihrer Freunde würde es so sehen. Froh und erleichtert wieder frei zu sein. Frei, endlich die Dinge zu tun, die sie immer tun wollte.  Frei ihre Wohnung selber einzurichten. Frei einzukaufen wonach ihr der Sinn stand. Frei zu sein, den Job zu machen, den sie schon immer tun wollte.

Frei zu sein, endlich wieder sie selber zu sein! Nicht mehr ein loses Anhängsel.

Sie stand immer noch da. Ja, sie hatte jetzt die Chance wieder ihr eigener Herr zu sein. Herrenlos wie sie jetzt war. Die Person zu sein, die sie schon immer war und nur vorübergehend in den Schatten gestellt wurde.

Sie versuchte ein breites Lächeln und schritt die Treppe herab, ging dem breiten Bürgersteig entlang zur Bushaltestelle.

Die letzten Meter musste sie rennen, da ihr Bus schon da stand und sie wollte nicht noch eine halbe Stunde auf den nächsten warten. Schwer atmend zeigte sie ihre Fahrkarte und setzte sich auf einen freien Platz. Gut, dass ihr Termin im Laufe des Vormittages war. So hatte sie nicht das Problem sich in einem übervollen Bus zu zwängen.

Während also der Bus gemütlich durch die Gegend zuckelte, versuchte sie sich daran zu erinnern, was jemand wie sie jetzt tun würde.

Sie sah auf die Uhr und stellte fest, dass sie noch sehr viel Zeit hatte und beschloss erst einmal eine Kleinigkeit einzukaufen bevor sie wieder in ihre Wohnung ging. Ihre große jetzt leere und einsame Wohnung.

Nicht nur, dass sie wieder ihre Freiheit hatte, sie war auch schön allein und möbellos.

Das war auch der Preis, den man dafür zahlt, wenn man ein loses Anhängsel war. Nichts gehörte einem wirklich. Ist der Herr im Haus weg – sind auch die Möbel weg. So einfach ist das!

Nicht nur, dass sie wieder die Freiheit hatte, den Job zu machen, den sie nicht machen wollte wusste sie aber nicht, welchen Job sie machen wollte und da sie auch Job los war musste sie dringend nach einer Möglichkeit suchen um an Geld zu kommen.

Sie beschloss, nach dem Einkaufen erst einmal einen Plan zu machen. Sie war ganz erstaunt über ihre Idee. Wann hatte sie das letzte Mal einen Plan über ihr Leben gemacht?  Ob sie das überhaupt konnte? Und wie macht man einen Plan? Vielleicht sollte sie erst einmal einen Plan machen wie man einen Plan machte?

Einkaufen war nach einem Blick in den Geldbeutel nicht drin. Einfach geldlos.

Nachdem sie an der Bushaltestelle ausgestiegen war, nahm sie den Schlüssel und sperrte die große schwere Haustür zu dem 5-stöckigen Gebäude auf, holte aus dem Briefkasten ihre Post und stieg bis in den dritten Stock in dem ihre Wohnung war. Wohnungslos war sie noch nicht. Die gehörte ihren Eltern.

 

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