Kategorie-Archiv: Schreibparade 2012

Schreibparade April 2012

Dies ist ein Beitrag für die Schreibparade für April 2012. Initiatorin der Aktion ist Lucina von Miss Magic. Diesen Monat sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie glimpflich Täter davon kommen. Und das ist dabei bei mir rausgekommen. Da ich nicht bei Gericht arbeite und auch keinen Rechtsanwalt persönlich kenne, weiß ich natürlich nicht, welches Strafmaß angemessen ist. Ich habe einfach irgendwas ausgewählt. Wer also besser weiß, welches Strafmaß tatsächlich bei solchen Delikten angemessen ist, „möge jetzt sprechen, oder für immer schweigen“ J und ungläubig über mich den Kopf schütteln. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen! Eure Susanne

Warnung: Kraftausdrücke und Schimpfworte möglich; ich beschäftige mich allerdings nicht mit einer Gerichtsverhandlung selber, sondern eher, wie ein möglicher Weise sanftes Urteil sich auf Angehörige auswirken könnte.

Arndt rannte eilig die Treppen in den fünften Stock hinauf. Er war schon wieder zu spät dran. Das würde was geben. Arndt seufzte und holte tief Luft, um seine Atmung zu beruhigen, bevor er klingelte. Richtete seine Kleidung.

Keine Reaktion. Na damit hat er dann auch rechnen müssen. Es war leider nicht das erste Mal, dass er viel zu spät vom Fußballtraining mit seinen Freunden zum Treffen mit Katharina kam. Das Spiel hatte diesmal nicht so lange gedauert, aber das anschließende Fachsimpeln der Amateurspieler leider schon. Und er war daran nicht ganz unschuldig. Arndt klopfte und klingelte. Sturm diesmal. „Katharina? – Es tut mir leid!“, rief er durch die verschlossene Tür.

Keine Reaktion. „Ich weiß, dass ich zu spät bin… Mach auf!“, bettelte er.  „Ich mache es auch wieder gut!“, schmeichelte Arndt durch die verschlossene Tür. Er ergriff den Türgriff und rüttelte daran.

Erschrocken wich er zurück. Die Tür war nicht verschlossen. Kurz entschlossen, beschloss er, sein Glück zu nutzen und trat vorsichtig ein. „Katharina? – Bist du da?“ Vielleicht war sie nur auf einen Sprung zur Nachbarin und hatte die Tür aufgelassen? Aber wieso steckte der Schlüssel von innen.

Er schlich durch die Wohnung und rief nach seiner Freundin. Keine Reaktion! Arndt hatte alle Zimmer durch. Nachdenklich runzelte er die Stirn, als er vor der verschlossenen Badezimmertür stand. Er lauschte, ob Katharina nicht zurückkam. Dann öffnete er mit einem Ruck die Tür. Hoffentlich war sie nicht gerade in der Badewanne. Katharina war da immer sehr eigen.

Arndt blickte hinein und erkannte, dass Katharina in der Badewanne ihm wesentlich lieber gewesen wäre, als der Anblick der sich ihm da bot.

„Urghh!“, Arndt taumelte zum Klo und erbrach sich. „Ich kann alles erklären!“, wimmerte die kleine männliche Gestalt die sich mit einem großen Fleischermesser über die blutüberströmte Leiche  beugte.

Arndt klingelte es in beiden Ohren, sein Herz raste. OH mein Gott! Er schloss die Augen und seine Knie gaben nach.  „Ich wollte es doch nicht…sie sollte doch nicht sterben.“, begann der junge Mann, den Arndt nicht kannte. Dieser ließ sein Messer fallen und sank ebenfalls in die Knie.

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Arndt und seine Freunde saßen in der ersten Reihe, als der Richter das Urteil – 3 Jahre auf Bewährung, wegen offensichtlicher Reue – verkündete. Zumal, der Täter auch nicht vorbetraft war und auch sonst strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war. Der Mörder, Arndt weigerte sich standhaft, ihn Freddy Müller zu nennen. So jemand verdiente keinen Namen. Er presste die Lippen fest zusammen. Sein Unterkiefer arbeitet. Er musste sich stark zusammenreißen, dass er nicht über den Mörder herfiel. Er zuckte zusammen, als er leicht eine Hand auf seinem Oberarm spürte. Ricarda, die links neben ihm saß, sah ihn ernst an und schüttelte leicht den Kopf. Sie war extra für die Verhandlung aus England gekommen. Arndt schluckte und holte tief Luft. Peter und Daniel, beide auf der rechten Seite von Arndt, sahen sich ungläubig an. Olivia, die sonst so taffe Karrierefrau war kreidebleich und kaute an ihren Fingernägeln. Franziska, die Schwester von Katharina, weinte leise vor sich hin.

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„Das ist doch vollkommener Schwachsinn! Wir gehen in Berufung.“, Arndt presste den Mund fest zusammen. Der Anwalt seufzte leicht. „Das können wir gerne tun, doch die Rechtslage ist …“, – „Scheiß auf die Rechtslage!“, fuhr ihn Arndt an. „Der Kerl hat Katharina brutal ermordet und der Vollpfosten von Richter schickt ihn auf Bewährung raus – auf Bewährung!“, Arndt schlug mit der Faust auf den Tisch. Franziska schluckte heftig. „Halt den Mund!“, Olivia funkelte ihn an und deutete auf Franziska.

Natürlich waren alle Freunde im engen Büro des Anwalts versammelt, um den Urteilsspruch zu diskutieren.

„Gegen Reue kann man nicht viel machen…“, begann Peter zu bedenken, dann hob er entschuldigend die Hände, als er den Mörderblick von Arndt empfing. „Ich mein‘ ja nur – es ist doch immer so, es tut einem glaubhaft leid, was er getan hat, es war im Affekt – bla bla bla und entweder man wird freigesprochen oder auf Bewährung rausgelassen.“, erklärte Peter ruhig.

„Dass ihr das alles akzeptieren könnt!“, Arndt sprang wütend auf. „In was für einem Rechtsstaat leben wir eigentlich? – Für das Kopieren von Filmen kommt man ins Gefängnis und für Mord wird man freigesprochen – was ist das denn für ein Dreckssystem!“.

„Es war kein Freispruch.“, warf Ricarda vorsichtig ein. „Was?“, sein Kopf ruckte hoch. „Es war kein Freispruch.“, wiederholte Ricarda ruhig und warf ihre nussbraunen Haare nach hinten. „So ein Typ gehört auf den elektrischen Stuhl…“, zischte Arndt und trat auf sie zu und baute sich vor Ricarda auf. Diese wich leicht zurück, sah ihn aber weiter direkt in die Augen.

„Ach was sage ich – dem gehört die Haut abgezogen – ich würde…“, begann Arndt. „Hört sofort auf!“, brüllte Daniel. Arndt zuckte sogar etwas zusammen. Auch die anderen sahen ihn erschrocken an. „Wir tun Katharina keinen Gefallen und lebendig wird sie auch nicht mehr, wenn wir Freddy den Tod wünschen.“, erklärte er dann bestimmt.

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Zwei Wochen später

„Setz dich endlich hin!“, Daniel trat von hinten an seinen Freund, der wie ein Tiger im Käfig im Wohnzimmer von Katharina unruhig hin und her lief. Den ganzen Vormittag hatte sein Freund über das Rechtsystem geschimpft und geflucht und auch das Wort Selbstjustiz ist mehrmals gefallen, und er sei immer mehr für die Todesstrafe. Vielleicht sollte er doch mal nach Texas auswandern. Arndt sah Daniel nicht kommen, drehte sich um und lief direkt in ihn hinein. „Hinsetzen?!“, brüllte Arndt und fuhr sich nervös mit beiden Händen durch seine blonden Haare. „Der Kerl läuft weiter frei herum und ich soll mich hinsetzen? – Außerdem ist hier fast nichts mehr da wo man sich hinsetzen kann…“, verloren sah er sich um und seine Stimme brach.

Sie hatten schon ganze Arbeit geleistet, seit sie sich an diesem  Morgen getroffen hatten um die Wohnung von Katharina auszuräumen.

Das Schlafzimmer war schon leer geräumt, die Frauen waren in der Küche und Daniel und er wollten das Wohnzimmer ausräumen. Peter putzte das Bad, welches als Ort „des Geschehens“ von keinem anderen betreten werden wollte. „Ist alles ok?“, eine bleiche Franziska trat ein. Erschrocken drehte sich Arndt um. „Nein – alles klar!“, er versuchte ein beruhigendes Lächeln. Für sie muss es besonders schwer sein. Katharina und Franziska standen sich für Schwestern besonders nahe und doch war sie in der Wohnung und half die Überreste von Katharinas Leben zu entsorgen. „Ich dachte nur, weil ….“, sie brach ab und hatte wieder Tränen in den Augen. Arndt stand unbehaglich daneben und wusste nicht was er tun sollte. Daniel trat ohne zu zögern neben Franziska und legte den Arm um sie und zog sie an seine Brust.

„Ich hätte nie gedacht, dass er so glimpflich davon kommen würde…!“, sie schluchzte. „Ich auch nicht!“, stimmte Daniel zu. „Wenn sie nur nicht alleine gewesen wäre, dann hätte Freddy vielleicht nicht….“.

Arndt erbleichte und verließ das Wohnzimmer. Im Flur lehnte er sich in einer Nische an die Wand, holte tief Luft und schloss die Augen. „So eine Sauererei!“, Peter kam fluchend aus dem Bad und ging weiter zur Küche ohne Arndt zu bemerken. Die Tür hinter im fiel zwar zu, schloss aber nicht ganz. „Der Kerl hat ganze Arbeit geleistet.“ – „Glaubst du, das es stimmt?“, hörte Arndt die Stimme von Olivia. „Das was stimmt?“, Peter klang verwirrt. „Na das mit Katharina – dass sie ihn bedroht hat….sie war schon etwas dominant…“

Peter schnaubte. „Na sie musste schon dominant sein – sie war ja mit Arndt zusammen.“ – „Ha!“, kam es von Olivia. Arndt hörte ihr Grinsen. Und musste selber lächeln. Es war ihm durchaus bewusst, dass er sich oft eher wie ein Elefant im Porzellanladen verhielt. „Und? Glaubst du es?“, Olivia ließ nicht locker. Peter seufzte. Es fiel ihm immer schwer, negative Eigenschaften bei seinen Freunden zu benennen. „Ich denke…nein….aber es hatte Freddy geholfen…“.

„Ich wünschte, sie wäre nicht allein gewesen!“, seufzte Olivia. „Solche Dinge passieren immer, wenn die Leute allen sind.“, das kam von Peter.

Arndt in seiner Nische zuckte zusammen, als er die letzten Worte von Olivia hört. Auch Franziska hatte es vorhin gesagt. Wenn Katharina nur nicht allein gewesen wäre, als dieser Freddy kam!

„Hey Leute, wir haben Hunger!“, Daniel mit Franziska im Schlepptau verließt das Wohnzimmer und trat zu den anderen in die Küche. „Gute Idee!“, seufzte Peter. „Aber ich glaube ich werde lange nichts essen können.“ – „War wohl nicht so leicht im Bad!“, Daniel nickte verständnisvoll, dem sich alleine bei dem Gedanken daran der Magen zusammenzog.

„Lasst uns eine Pause machen – ich glaube wir brauche alle etwas Ruhe.“, schloss Olivia. „Bei Fredario?“, schlug Franziska ihren Lieblingsitaliener vor. Die anderen nickten.

Sie traten in den Flur. „Wo ist eigentlich Arndt?“, Peter sah sich erstaunt um. „War er nicht bei Euch?“, Daniel wunderte sich. Peter und Olivia schüttelten den Kopf. Franziska zog unschlüssig die Schultern hoch. „Das der mal nicht erscheint wenn es ums Essen geht….“, sie wunderte sich.

Gemeinsam machten suchten sie die Wohnung ab. Im Schlafzimmer nicht, im Wohnzimmer nicht, nicht auf dem Balkon und auch nicht in der Küche. Ratlos sahen die Freunde sich an. Dann fiel ihr Blick auf die Badzimmertür, die leicht offen stand.

Daniel und Peter nickten sich zu und traten entschlossen ein. Olivia und Franziska folgten unsicher.

„He! Was ist los?“, Olivia trat an den Männern vorbei und kniete sich neben Arndt, der auf den Boden saß und mit dem Rücken an der Badewanne lehnte. „Du überlegst dir doch nicht wirklich, wie du Freddy….“, begann Daniel zögernd. Arndt schüttelte den Kopf. Er zog die Knie an und umschlang sie mit seinen Händen und stütze sein Kinn auf die Knie. „Glaubt ihr auch, dass es im Affekt geschehen ist?“, fragte er dann leise. Alle schwiegen. Olivia fuhr mit den Händen durch seine Haare. „Es kann schon sein … Katharina war schon immer jemand, der die Leute auf die Palme bringen konnte…“, warf Franziska leise ein.

„Ja – sie hatte es bei mir schon oft genug geschafft!“, stimmte Arndt zu. „Dabei bist du doch immer so entspannt!“, warf Daniel trocken ein. Alle lachten leicht. „Bei uns allen hatte sie es schon immer mal geschafft!“, Peter setzte sich lächelnd auf die Toilette und Daniel sank auf den Badewannenrand. Franziska lehnte sich in den Türrahmen.

„Da muss so ein Mann wie Freddy, der eh so unsicher ist, die Hutschnur hochgehen.“, Franziska lächelte. „Wenn sie nur nicht alleine gewesen wären. Eine dritte Person hätte vielleicht beide noch beruhigen können.“, warf Peter traurig ein. Arndt lächelte gequält. „Ihr meint, wenn ich mal pünktlich gewesen wäre….“. – „Himmel! NEIN!“, rief Olivia. „Ja aber es stimmt doch, wenn ich nicht unbedingt noch eine Spielbesprechung gemacht hätte, dann wäre ich pünktlich gewesen und Katharina könnte noch leben. – Also eigentlich bin ich daran schuld, dass beide ausgerastet sind und…“ – „Quatsch! Du Spinnst!“, rief Daniel wütend. Franziska zog erschrocken die Luft ein. Olivia und Peter sahen sich erschrocken an. „Hör sofort auf!“, kam es heiser von Franziska. „Wieso?“, beharrte Arndt dickköpfig. „Ihr habt es doch vorhin selber gesagt! Du in der Küche und du im Wohnzimmer.“, er deutete auf Olivia und Franziska.

„Na toll! – Sonst interessiert es dich doch auch nicht, wenn wir dir was sagen – aber so einen Schmarren, den münzt du sofort auf dich um.“, fluchte Daniel. „A-aber wir meinten doch nicht…wir wollten doch…“, stotterte Olivia. Dann räusperte sie sich und schlug Arndt mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. „Werd‘ mal wieder normal und hör sofort auf, dich da in was reinzusteigern! – Sieh‘ mich nicht so an. – Ich weiß ganz genau, dass du dir schon die ganze Zeit Vorwürfe machst. Aber solche Dinge passieren eben. Es war ein Unfall und niemand hätte ahnen können, dass die Situation so eskaliert!“

„Man sieht sich im Leben immer zweimal!“, Peter nickte weise. ,Oh happy day!‘ erklang  laut und deutlich in der nachfolgenden Ruhe. Franziska ergriff eilig ihr Handy und meldete sich. Sie machte nur mehrmals zustimmende Laute, verabschiedete sich und sah sich dann mit feurigen Augen ihre Freunde an. „Wer war das?“, Olivia war neugierig. Auch die anderen sahen Franziska an. Diese grinste.

„Es war mein Anwalt, er wollte uns nur mitteilen:  der Staatsanwalt selbst hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt – es hatten sich einige Ungereimtheiten ergeben. Vor allem mit Freddys Vergangenheit als ,unbescholtener Bürger‘.“

„Was?“, Daniel schluckte. Ungläubig sahen sie Franziska an. „Ja, der Fall wird noch mal neu aufgerollt – es scheint, dass Freddy doch seine gerechte Strafe erhält.“

Ende

Schreibparade 2012

 

Schreibparade Februar 2012

Dieser Beitrag ist für die Schreibparade bei Miss Magic für Februar 2012

Wie könnte das Leben auf dem Mond wohl aussehen? Hierbei könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen, ob nun Science-Fiction, nah an der Realität oder Fantasy. Ich bin gespannt, auf eure Beiträge!

 

„Es ist so schön!“, Reah sah auf die leuchtende blaue Kugel hinab. Sie stand auf einem der grauen Krater und obwohl sie wusste, dass es verboten war, stand sie da und starrte sie hinaus in die Dunkelheit.

Reah und ihr Volk der Xplu besiedelten schon seit mehreren Milliarden  Jahren Cltuy 7. Früher war es kein Problem, die Katakomben zu verlassen und auf der Oberfläche zu wandeln. Doch seit die komischen unförmigen Wesen der blauen Kugel – oder Blue 3³, die Xplu die blaue Kugel nannten – hin und wieder Cltuy 7 besuchten, hatte der hohe Rat entschieden, dass es viel zu gefährlich war, auf der Oberfläche zu wandeln.

Reah fand dies unnötig. Schon lange war keiner mehr der Blue 3³ -Bewohner zu ihnen gekommen und wenn, hatten sie sicher nichts zu befürchten. Viel zu langsam bewegten sie sich. Zwar waren viele der kleinen Kisten der Blue 3³-Besiedler in den dunklen Raum geflogen, aber nie waren sie bis Cltuy 7 gekommen.

Einige vom Rat hatten, Angst, dass sie es nicht bemerken würden, wenn die Blue 3³-Bewohner kämen, doch Reah und ihre Anhänger konnten da nur lachen.

Tagein, tagaus sendeten die komischen Wesen irgendwelche Informationen hinaus in den dunklen Raum. Viele Radarstationen sind inzwischen dazu übergegangen kein eigenes Programm mehr zu senden, sondern einfach die ganzen Wellen und Schwingungen der Blue3³-Bewohner zu senden.

Ein höchst umfangreiches Potential. Und jeden Tag ergaben sich neue Katastrophen, gegen die sich die Bewohner von Blue3³ zur Wehr setzen mussten. Der schlimmste Feind war anscheinend „Arbeit“. Ein nicht gerade unerheblicher Prozentsatz der Bewohner erlebten regelmäßig in einem gewissen Zyklus einen Kampf mit „Arbeit“. Bei einigen dauerte der Kampf länger, als bei anderen.

Die Xplu hatten bereits herausgefunden, dass diejenigen, die im Bekämpfen von „Arbeit“ länger brauchten unter den Blue3³-Bewohner mehr angesehen waren, als diejenigen, die schneller mit „Arbeit“ fertig wurden. Was recht unsinnig war. Es war doch viel besser mit einer Bedrohung schneller fertig zu werden, als wenn man langsamer war.

Doch irgendwie wurden die Blue3³-Bewohner nie ganz mit „Arbeit“ fertig. Auch hatten sie verschiedene  Wörter für „Arbeit“ – je nachdem auf welchem harten Punkt die Bewohner waren. „Work“ war einer der häufigsten Beschreibungen.

Auch war der größte Teil der blauen Kugel mit einer blauen Flüssigkeit aufgefüllt. Reah fand dies blödsinnig. Wieso absorbierten die Bewohner die Flüssigkeit nicht? – So hatten sie doch viel mehr Platz?

Gut dass die Xplu auf Cltuy 7 waren. Da war genug Platz vorhanden. Reah lächelte leicht vor sich hin. Gestern war wieder eine der Kisten der Blue3³-Bewohner gelandet. Reah warf einen letzten Blick auf die leuchtende Blaue Kugel, mit Vorfreude erfüllt. Die unförmigen Bewohner waren gerade mit irgendwelchen Stangen, an denen komisch bemalte Tücher hingen beschäftigt und diese in den kargen Boden von Cltuy 7 zu stecken. Da fiel ihnen nicht auf, dass sich Reah langsam näher schlich und sich in den hinteren Teil der Kiste versteckte.

Reah hatte genug davon, neugierig auf die leuchtende blaue Kugel hinab zu starren! Reah wollte selber sehen, was auf Blue3³ los war.

Die Bewohner von Blue3³ stiegen wieder in die Kiste, nachdem sie ein paar Mal komische Geräte aufeinander gerichtet hatten. Reah bemerkten sie nicht, als sie sich wieder auf den Heimweg in ihre Welt machten.

Ende

Schreibparade 2012

Schreibparade Januar 2012

Dieser Beitrag ist für die Schreibparade bei Miss Magic für Januar 2012

Wünsche und Vorhaben für das neue Jahr

Es ist wieder soweit. Das neue Jahr hat angefangen und jeder überlegt sich gute Vorsätze. Ricarda seufzte. Sollte sie sich wirklich zum zigten Male vornehmen abzunehmen? – Oder wäre es wirklich besser sich dieses Jahr auf einen neuen Job zu konzentrieren?

Was würde passieren, wenn sie sich einfach dem allgemeinem Spiel widersetzen würde? Sie sah sich am Tisch um, die Gesichter ihrer Freunde, die sich – wie in den letzten Jahren immer an Silvester zum Feiern trafen und immer kurz vor Mitternacht, der Sekt wurde geköpft, die Sektgläser gefüllt und verteilt. Und dann begann einer nach dem anderen seine Wünsche und Vorsätze für das neue Jahr bekannt zu geben. Mal mit mehr, mal mit weniger Gelächter.

Peter zum Beispiel, er gehörte auch zu denjenigen, die jedes Jahr mehr Sport machen wollten. Nicht, dass er es nötig gehabt hätte. Beneidenswert!

Olivia hatte sich für dieses Jahr etwas Besonderes einfallen lassen. Sie wollte mal ein neues Kleid nähen und das Musical Rebecca ansehen. Zudem hatte sie sich vorgenommen endlich den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu gehen.

Franziska wollte endlich ihren Führerschein machen und sich mit ihrem Ex- Mann versöhnen, damit der Umgang mit ihm bei den wöchentlichen Treffen, wenn sie die Kinder bei ihm ablieferte und wieder abholte angenehmer ablief.

Daniel wollte endlich mit der Kleinen aus der Buchhaltung sprechen, für die er schon seit Jahren schwärmte.

Arndt war eigentlich wunschlos Glücklich hoffte aber auf einen Sieg der Deutschen bei der Fußball-Europameisterschaft.

Und alle wünschten sie sich natürlich, dass ihre Vorhaben klappten und Gesundheit.

„Also meine Kleine!“, begann Arndt gönnerhaft und legte Ricarda, die neben ihm saß, den Arm um die Schulter. „Jetzt bist du dran!“ – „Als erstes wünsche ich mir, dass du deinen Arm von meinen Schultern nimmst!“, erklärte sie. Arndt wusste, dass sie es nicht mochte. „Entschuldige.“, er hob zwar entschuldigend beide Hände aber sein Gesicht sah alles andere als bedauernd aus. „Wer’s glaubt.“, schmollte Ricarda. „Und wer nicht – stirbt auch!“, kam es trocken von Olivia. Arndt lachte herzhaft.

„Dich möchten so einige tod sehen!“, Daniel grinste und Peter faltete die Hände und sah salbungsvoll in die Runde. „Friede seiner Asche!“. – „Ich werde die Urne stiften!“, rief Franziska. „Freunde! Ich glaube ich revidiere meinen Wunsch und wünsche mir neue Freunde.“, erklärte Arndt leicht gekränkt, zwinkerte aber mit den Augen. Olivia verdrehte die Augen. „Aber deswegen wissen wir immer noch nicht, was du vor hast?“, Peter ergriff sein Weinglas und warf einen neugierigen Blick wieder auf Ricarda. Alle Hoffnung vergessend, dass sie drum herumkommen würde, seufzte sie.

„Soll es wieder eine Diät sein? Oder ein neuer Job?“, Arndt konnte es nicht lassen und sein Arm war wieder um Ricardas Schultern. „NEIN!“, erklärte Ricarda bestimmt. „Keineswegs!“.

Olivia hob erstaunt die wohlgeformten Augenbrauen. Peter und Daniel hielten mitten in der Bewegung ihre Weingläser um Mund zu führen inne und Franziska ließ ein erstauntes „Ach?“ ertönen. War sie wirklich so planbar und langweilig? Nur Arndt sah sie aufmunternd an.

Das überraschte wiederum Ricarda, die sich von ihm am wenigsten Unterstützung erwartetet hatte.

Trotzig hob sie ihr Kinn. „Ja, ich habe dieses Jahr andere Pläne!“. – „Bist du sicher?“, erkundigte sich Franziska vorsichtig. Olivia nickte zur Bestätigung.

„Was heißt das <bist du sicher>? – Na klar bin ich sicher! Darf ich vielleicht nicht auch mal andere Wünsche oder Vorsätze haben?“, rief Ricarda leicht verärgert. „Sei nicht sauer!“, bat Olivia. „Natürlich darfst du das – es ist nur so ungewohnt.“, begann Franziska. „Nicht, dass es verboten wäre!“, fügte Daniel schnell hinzu.

Ricarda runzelte ihre Stirn.

„Also? – Was ist es?“, Arndt sah sie an. Seine grünen Augen blitzten freundlich, sein Arm lag immer noch auf ihren Schultern. Ricarda holte tief Luft, straffte sich. Ihre Freunde sahen sie an.

„Ich werde kündigen und zu meinem Vater nach London ziehen!“, erklärte sie. Wie zur Bestätigung nickte sie noch einmal und sah ihre Freunde herausfordernd an. Diese sahen erst Ricarda, dann sich selber sprachlos an. Arndt grinste, griff sein Sektglas und erhob es. „Dann wünsche ich dir ein tolles Jahr!“ -„Danke! Dir auch!“, erklärte Ricarda.

Und genau in diesem Moment schlug die Uhr Zwölf und das neue Jahr hatte begonnen.

Ende

Schreibparade 2012