That is love Teil 1.2

Teil 1.1

Teil 1.2

Rrrrrrrring! Rrrrrrring! Der durchdringende Klang des Telefons drang durch die Diskussion von Lorelei und Emely und ihren Gedanken an ihr Ohr.

 

„Hallo?“

 

„Hallo – hier ist Melanie – bist es Du Sonja?“ Tante Sonja war ihre Patentante und sie hatte, wie man(!) es halt macht, den Namen ihrer Patin bekommen.

 

„Melanie!“, plötzlich hatte ihre Stimme einen neuen warmen Klang.

 

„Sonja, ich brauche unbedingt Deine Hilfe!“

Später saßen Melanie und Sonja  auf der Couch. Beide ein Glas Rotwein in der Hand, die Knie angezogen.

„Sonja, ich brauche Deine Hilfe!“, Melanie hatte lange in ihr Glas gestarrt um dann unvermittelt zu sprechen angefangen.

„Ich habe doch diese Chatbekanntschaft – und wir  hatten uns auch immer gut verstanden und jetzt – er will mich kennen lernen!“

„Aber das ist doch toll!?“, Sonja musste lachen. Wochenlang, Tag für Tag, Stunde um Stunde hatte Melanie von  „Chatab8“ geschwärmt. Dem ultimativen Partnervermittler in Single-Kreisen im Internet. Allerdings gab es da auch die Möglichkeit einfach in andern sogenannten Chaträumen sich unverbindlich mit gleichgesinnten zu „unterhalten“ oder zu chatten. Und da gab es ja noch den Mann der unter „PrinceCharmin666“ auftrat. Der Mann, der wirklich zu wissen schien, was Frauen wollten und somit seinen „Nicknamen“ verdient hatte.  Sonja hatte ja den Verdacht, dass es sich um eine liebestolle Frau handelte, doch den behielt sie lieber für sich. So homophob wie Melanie war, kam dieser Gedanke wahrscheinlich nicht wirklich gut an.

 

„Lach nicht! – Miteinander schriftlich zu kommunizieren ist ja ganz ok – aber dann von Angesicht zu Angesicht?  – Wenn er mir dann nicht gefällt? Oder ich ihn nicht ansehen kann, weil er mir so gut gefällt? – Oder ich IHM nicht gefalle?“

 

„Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch.“, kam es trocken von Sonja. „Sie dich doch mal im Spiegel an!“

„Eben!“ Melanie hat entsetzt die Augen aufgerissen.  Sonja seufzt. Da hatte sie nicht nur einen Mann, der äußerlich durch aus mit Adonis mithalten konnte und doch ständig seine Fehler sah, sehr untypisch für einen Mann übrigens, wenn sie da an seine Kumpels dacht (eher normaler  Durchschnitt, aber gebärden sich als wären sie eine Kombination aus  Brad Pitt und David Beckham) und dann auch noch eine Freundin, die ein optimales Pendant zu ihrem Mann war und bei beiden musste sie ständig bestätigen, wie gut die beiden aussahen. Da war sie ja richtig froh „normal“ auszusehen. Niemand hatte ihr jahrelang gesagt wie gut sie aussah und so hatte sie auch nicht ständig Angst, wenn sie mal nicht mehr so gut aussehen würde, dass ihr irgendetwas abging.

 

„Melanie! Triff Dich mit ihm! Je eher desto besser! Und wenn er Dich nicht mag, dann ist er selber schuld!“

 

„Du hast ja leicht reden! Du bist ja verheiratet mit Adonis persönlich!“

 

„Das ist auch nicht immer das Glück schlechthin.“, Sonja seufzte.

 

„…stimmt was nicht?“

 

„Vergiss es! – Es wird schon wieder“

 

„Was ist los? – Da red‘  ich von irgendeinem Typen, den ich nicht kenne, dabei hast Du Probleme mit Deinem Mann – da siehst Du mal wieder, was ich für ein Egoist bin.“ Melanie verzog das Gesicht.

 

Sonja musste schon wieder lächeln.

 

„Ach, es ist eigentlich nichts Ernstes – nur alles …so – so eingefahren. Ich weiß gar nicht wie ich es beschreiben soll. Er macht sein Ding, ich mach mein Ding. Wenn wir uns treffen, dann eher zufällig. Wir leben momentan nicht wie ein Ehepaar zusammen, sondern wie eine WG und noch nicht mal als würden wir uns sonderlich mögen. Und soll ich Dir was sagen? Wenn er nicht da ist stört es mich noch nicht mal. Manchmal wünscht ich mir er würde fremd gehen, damit ich weiß, ob ich überhaupt noch was empfinden kann.“

 

„Liebst Du ihn nicht mehr?“  Das war wieder typisch Melanie. Gleich das Kind beim Namen nennen. Aber so ganz unrecht hatte sie nicht. Sonja hatte es sich auch schon ein paar Mal gedacht. Liebte sie ihn überhaupt noch? Es war jetzt nicht so, wenn er da war, dass er sie arg nervte, er war ihr egal. So kann man sagen, sie hatte gar keine Gefühle für ihn.  Aber hatte sie das wirklich?

 

Sie fragte sich, wann es genau angefangen hatte? Es war wohl eher ein schleichender Prozess. Sie hatten immer weniger miteinander gemacht. Immer weniger den anderen gefragt, immer weniger nach dem anderen gefragt…

 

Sonja versuchte sich daran zu erinnern, wie es war, als sie noch Schmetterlinge im Bauch hatte, wenn sie nur an ihn dachte. An sein Lächeln, seine blitzenden Augen.  Seine Witze, wenn er gut drauf war, die ernsten Gedanken, oder wenn er konzentriert in der Arbeit vergraben war.

Ein Gedanke zu „That is love Teil 1.2

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