Auf der Suche nach Weihnachten Teil 16

16. Filomena

 

Filomena knabberte nachdenklich an ihrer Unterlippe. Da fiel ihr Blick auf ein Bild an der Wand. Es zeigte zwei elfjährige rothaarige Mädchen, die sie wie ein Ei dem anderen glichen. Die Mädchen saßen auf einer roten Couch, hatten die Augen fest zusammengepresst und die Hände verschränkt. Filomena kicherte, als sie daran dachte, wie ihre Zwillingsschwester und sie immer kurz vor Weihnachten ihr Wünsche aufgeschrieben hatten und dann hatten sie sich auf die Couch gesetzt und mit zusammengepressten Augen ihren wichtigsten Wunsch telepathisch an das Christkind weitergegeben.

Ihr Onkel hatte die beiden einmal erwischt und eben dieses Foto gemacht.

 

„Ob wir es nicht so versuchen sollen?“, sprach sie zu sich selbst. Nun, sie hatte hier zwar keine rote Couch, aber ihre Matratze war mit einem roten Spannbetttuch überzogen. „Ein Versuch ist es wert!“, rief sie entschlossen aus und kreuzte die Beine zum Schneidersitz und die Arme. Dann presste sie die Augen ganz fest zusammen und sprach die alte Kinderwunschformel von damals.

 

„Liebes Christkind – ich wünsche mir so sehr, das böse Kind hierher.“

 

><pling>< ertönte es von ihrem Laptop. „Das ging aber schnell!“, Filomena kicherte leise.

 

Filomena machte die Augen auf und sah neugierig nach.

 

>< Sie haben eine neue Nachricht erhalten><

 

<Das sind sie!> postete Weihnachten

 

<Wer?>

 

<Das böse Kind. Ich kann es deutlich spüren. Jetzt wird alles wieder gut! Seufz!>

 

<Wo?>

 

Es klingelte. Erstaunt sah Filomena auf. Wer besuchte sie denn da. Sie stand auf und betätigte den Türöffner. Leider funktionierte die Gegensprechanlage nicht mehr. Sie trat in den Hausflur und rief fröhlich „Dritter Stock!“ und hörte dann wie mehrere Personen erst innehielten und dann die Treppe heraufkamen.

 

„Ach?“, rief sie dann erstaunt und sah in die erfreuten Gesichter der beiden kleinen Menschen von heute Morgen und das finstere ihres kaffeetrinkenden Nachbarn. „Das ist wohl ein Gegenbesuch?“, erklärte sie lachend und mit einer einladenden Geste bat sie die drei einzutreten. „Bist du Filomena?“, wollte dann einer der kleinen Menschen wissen. Sie lachte. „Ja bin ich! Ich hatte mich wohl nicht vorgestellt?“

Die beiden kleinen Menschen seufzten erleichtert auf. Ihr Nachbar stand immer noch finster mit vor seiner Brust verschränkten Armen daneben.

 

„Aber kommt doch rein! Ich habe zwar nicht viele Möbel, aber wir können es uns auf der Mattratze bequem machen.“, sie grinste und ging vor. Dicht gefolgt von den beiden kleinen Menschen. Der Mann folgte langsam und mit Abstand nach.

 

Sie klappte den Laptop zu und räumte ihn weg. „So, jetzt müsst ihr mir aber sagen was ich für Euch tun kann? – Ich kann Euch auch Wasser anbieten, ansonsten war ich noch nicht einkaufen…“

 

Die beiden kleinen Menschen sprangen begeistert auf der roten Mattratze hin und her. Der Mann ließ sich etwas weiter weg auf einen der großen Sitzkissen nieder.

 

„Wir brauchen deine Hilfe!“, begann der kleine Mensch mit der glockenhellen Stimme.

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